Charles Lewinsky: Eine andere Geschichte. Diogenes Verlag
- Silvia Matras
- 30. Apr.
- 1 Min. Lesezeit
Ein Roman ist es nicht, eine Autobiografie auch nicht, eine Biografie auch nicht. Was dann? Lewinsky, der sich in dem Goetheroman "Rauch und Schall" als pfiffiger Erzähler dargestellt hat, der Fguren plastisch werden lässt, bleibt in diesem Buch vage. Der Protagonist Curtis Melnitz, angeblich eine reale Figur, wird nicht faßbar. In vielen Einzelepisoden zerrinnt der Charakter, zerfließt der Erzählstrom und versickert mehr und mehr das Interesse beim Lesen.
Curt Melnitz ist 80 Jahre und leidet an Albträumen. Um überhaupt schlafen zu können, schluckt er schwere Schlafmittel, die ihm sein Arzt nur verschreibt, wenn er brav seine Therapiesitzungen bei einem renommierten Hollywoodtherapeuten absolviert.
In jeder Sitzung nimmt sich Melnitz ein anderes Lebenskapitel vor. Seine " Karriere" startete er in Berlin der 1920er Jahre bei einem windigen Unternehmen, das mit Pornofotos viel Geld machte. Doch als die Firma wegen Steuerbetrug hopps ging, setzte er sich in die Staaten ab. Und landete, wie fast alle gestrandeten Europäer, beim Film. Er erzählt über den Schwarzweißfiim "Ben Hur", über seine Freundschaft mit einem Straßenbuben, alles kurz angerissen. Für Filmhistoriker sind vielleicht einzelne Details interessant. Wer nicht ein ausgewiesener Filmfan oder Historiker ist, wird bald das Interesse an diesem Curtis Melnitz verlieren,


