Robert Seethaler, Die Straße. Claassen Verlag
- Silvia Matras
- vor 8 Stunden
- 1 Min. Lesezeit

Seethaler nennt es einen Roman. Eher kann man dieses neue Buch als seinen Versuch bezeichnen, sich von der üblichen Erzählstruktur zu emanzipieren. Doch was bringt´s? Der Leser (gemeint bin ich, die Rezensentin) sucht nach einem Faden, nein, einem Fädchen, das diese Gedankensplitter irgendwie zusammenhält. Ja, gut, da ist die Straße mit herabgekommenen Häusern, einer Bäckerei, einem Blumengeschäft, einer Kirche und einem Altersheim. Und darin leben Menschen,, die miteinander wenig bis gar nichts zu tun haben. Die Bäckerin verkauft Brot und neueste Gerüchte. Die Immobiliengesellschaft verschickt Kündigungsschreiben, gespickt mit Pargraphen. Da soll wohl ein Abriss vorbereitet werden. Die Blumenverkäuferin ist verliebt, sie weiß selbst nur ungenau, in wen. Alle scheinen ums Überleben zu kämpfen.
Das alles in der typischen Seethalersprache: schlicht mit "Tiefe". Allerdings muss ich gestehen, dass ich diesmal - sonst immer in seinen Werken - die Tiefe nicht gefunden habe. Wahrscheinlich war ich viel zu sehr damit beschäftigt, eine Antwort auf die Frage zu finden: Worin bündeln sich die einzelnen Splitter? Man könnte das neue Werk eher ein Skizzenbuch nennen, zusammengestellt nach willkürlich gereihten Fotografien einer beliebigen Straße.

