Christoph Poschenrieder, Fräulein Hedwig. Diogenes
- Silvia Matras
- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Fräulein Hedwig ist kein Roman, obwohl der Verlag ihn als solchen ausweist. Nüchtern, sehr präzise, fast in Listenform, sehr viel in authentischen Briefen, oft mit banalem Inhalt, referiert der Autor über das an sich unspektakuläre Leben seiner Großtante. Der Text eignet sich eher als Bericht für das private Archiv.
Ihr Leben verlief im Grunde in Stille und Unbemerktheit , wäre da nicht die Frage nach ihrem ungeklärten Tod. Denn Hedwig Pochenrieder wurde im Juli 1944 in eine Nervenklinik bei München eingeliefert ,und der Verdacht liegt nahe, dass sie ein Opfer der grausamen Euthanasiegesetze wurde. Poschenrieder durchforstet detailgenau den Lebensweg der Großtante von den frühen Kindheitstagen über die Ausbildung als Lehrerin, ihre Berufsjahre bis hin zu ihrer Frühpensionierung und Einweisungen in verschiedene psychiatrischen Anstalten.. Aufgelistet werden ihre häufigen Beichtgänge, die sich als Manie herauskristallisieren, ihr religiös motiviertes Schuldgefühl, ihre Angst vor den Kindern, die sie unterrichtet. Details über Einkäufe, Wohnungswechsel langweilen.
Der Autor fand am Ende seines Berichtes den Verdacht bestätigt, dass seine Tante ein Opfer der Euthanasiegesetze wurde - man ließ sie einfach verhungern.
Das Thema ist in Wissenschaft und Literatur bisher nur ungenügend bis fast gar nicht aufgearbeitet. Um so wichtiger wäre Poschenrieders Buch. Doch er verlangt dem Leser unendlich viel Geduld ab, Ein wichtiges Thema, aber leider überfrachtet mit allzu vielen oft banalen Details.


