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Barbara Kadletz: Schattenkühle. Edition Atelier

  • Silvia Matras
  • vor 7 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

©Edition Atelier
©Edition Atelier

Barbara Kadletz steht fest in einer Tradition der ganz großen Satiriker, wie etwa Italo Calvino ("Der Baron auf de Bäumen") oder Herzmanovsky Orlando mit "Der Gaulschreck im Rosennetz". Humorvolle Kapriolen, witzige Einfälle, aus der Zeit gefallene Personen,alles eingekleidet in die scheinbare Selbstverständlichkeit eines ganz alltäglichen Geschehens. Vor allem beherrscht sie die urwienerische Sprache, wozu sie auch für Nichtversteher am Ende ein Glossar schreibt. Wissen Sie was Restfettn ist oder wer da geurasst hat?


Da buddelt der wiederauferstandene Joseph Schöffel, der einst den Wienerwald vor dem Abholzen rettete, einen Tunnel in die Erde. Er sucht nach einem verborgenen Schatz. Beim Buddeln entdeckt ihn der Namensvetter Josef Schöffel. Der fizzelkleine Unterschied von ph und f im Vornamen weist sie als Nichtverwandte aus. Sonst auch haben sie nichts miteinander gemein: Der alte Schöffel will den Schatz, der junge Schöffel will mitten im Wienerwald ein Glashaus bauen. Das heißt, nicht er will bauen, sondern der Bürgermeister mit einer Immobiliengruppe. Dieses Szenario kennen wir doch aus der Realität. Auch die beiden Figuren, die sich als Dauerdemonstrierer und Widerständler auf dem zukünftigen Bauplatz etabliert haben: Renate, die verdächtig viel Bier trinkt und im Zelt haust, und der alte Gruber, der im Baum sitzt und davon nicht runterzubekommen ist.

Dieses Figurenpersonal bildet das Fundament für die aberwitzige, urkomische Geschichte. Ach ja, da gibt es noch die ganz giftige Oma von Josef Schöffel, die den armen Kerl unter ihrer Fuchtel hat. Wenn er sich nicht jeden Sonntag schön brav zum Besuch einfindet, droht sie ihm mit Enterbung.

Am Ende von Intrigen und Schmähs sitzt Joseph Schöffel auf seinem Anwesen gemeinsam mit dem gesuchten, aber nicht gefundenen und daher nicht gehängten Räuber Fabian Pista auf einer Bank und sie schauen gemeinsam in die Landschaft. Und den schüchternen und bisserl feigen Josef Gruber hat sich die fesche Kellnerin Angie gekrallt.


Pures Lesevergnügen!


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