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Marco Balzano: Bambino. Diogenes

  • Silvia Matras
  • vor 47 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

© Porträt von K.A. Samov. Christie 's Images/Bridgeman Images
© Porträt von K.A. Samov. Christie 's Images/Bridgeman Images

Aus dem Italinischen von Peter Klöss


Mattia Gregori hat keine unglückliche Kindheit. Vom Vater, der mit Leib und Seele Uhrmacher und Antifaschist ist, erhält er die moralischen Lebensbegriffe, von der Mutter die Fürsorge. Doch als er erfährt, dass seine Mutter nicht die leibliche Mutter ist, ändert sich alles im Leben des Buben: Er wird störrisch, verlangt nach dem Namen der leiblichen Mutter. Der Vater schweigt.

Triest 1920 - die ersten "Schwarzhemden" etablieren sich in der Stadt. Mattia will "dazugehören", weil er hofft, mit Hilfe dieser Vereinigung zu Macht zukommen und so vielleicht den Namen seiner Mutter zu erfahren. In der Gruppe erhält er wegen seines bartlosen Gesichtes den Spitznamen Bambino. Je mehr sie ihn hänseln, desto heftiger will er seine Gewaltbereitschaft zeigen. Bald zieht er mit ihnen in der Umgebung bis hinein nach Istrien raubend, plündern und mordernd umher. Ihn erfaßt ein wahrer Blut- und Machtrausch. Als er einberufen wird und im Krieg gegen Griechenland kämpfen muss, kapiert er das erste Mal, was er ist: Ein mittelloser Faschist, der in Kälte und Dreck für einen Mussolini kämpft, der rein gar nichts für ihn tut. Die Erkenntnis, dass der Faschismus ein Bluff war, lässt ihn das erste Mal nachedenken. Zurück nach Triest, sind nun die Deutschen die Gegner, sie sind noch grausamer als alle anderen. Die slowenischen Partisanen erobern die Gebiete zurück, die 20 Jahre vorher die Faschisten besetzt hielten. Bambino mitten drin, aber bereits im Visier der Partisanen. Sein Ende wird grausam sein, das weiß der Leser von Beginn an.

Marco Bolzano hat die leidvolle und wechselhafte Geschichte Triests und der slowenischen umliegenden Gebiete akribisch recherchiert und meisterhaft in die Hauptfigur einfließen lassen. Einen Einwand gibt es jedoch: Die Grausamkeit,mit der Bambino seine Opfer quält, verrät, tötet, ist nur unzureichend mit der manischen Suche nach seiner Mutter erklärt. Ebenso seine "Bekehrung" oder Läuterung. Da müsste schon tiefer in einem Charakter, der von der Lust am Morden geprägt ist, gegraben, geschärft werden.

Auf jeden Fall ein beeindruckendes Werk über die Sinnlosigkeit jeglichen Krieges.

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