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Erich Fried: Johnny will leben. Edition Atelier

  • Silvia Matras
  • vor 4 Minuten
  • 1 Min. Lesezeit

© Edition Atelier. Wien 2025
© Edition Atelier. Wien 2025

Basierend auf dem Theaterstück von Jura Soyfer "Vineta" aus den Jahren 1930


Erich Fried aktualisierte Jura Soyfers Stück "Vineta" und versetzte es in die 1960er Jahre: Der Weltkrieg ist vorbei, vergessen sind Konzentrationslager, Millionen Tote auf den Schlachtfeldern. Man wollte leben, vergessen - das war die Wirklichkeit, die Erich Fried in seinem Stück anprangerte. Aus "Vineta" - eine Anspielung auf Wien - wurde "Johnny will leben" oder "Johnny in Jumne". In dem Stadtstaat Jumne gibt es eine Nationalhymne: "Glücklich ist, wer vergißt..." . Johnny kommt also in eine Stadt, in der das oberste Gebot lautet: Alles vergessen. Zeit und Logik sind aufgehoben, weil sie das System des behäbigen Lebens ohne Sinn, ohne Zeitgefühl und ohne Erinnerung gefährden könnten. Fried treibt Situationen ins Absurde - etwa der Polizist, der eine Kreuzung ohne Verkehr regelt, Menschen, denen Begriffe wie gestern, heute, morgen abhanden gekommen sind. Johnny versucht, die Sinnlosigkeit dieser Lebensformen anzugreifen, zu unterwandern - aber vergeblich: Strukturen, Staat und Beamtenapparat sind fest im Hirn der Bewohner einzementiert. Selbst streikende Arbeiter und "fahrendes Volk" haben den Unsinn zum Sinn gemacht.

Eine Parodie nicht nur auf die 1960er Jahre. Vergessen und verharmlosen war und ist noch bis in die 1990er Jahre und sogar bis heute das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, sich die Vergangenheit und die Gegenwart schön zu reden - oder zu singen.


Dieses Theaterstück von Erich Fried wartet noch auf seine Uraufführung! Aktuell und brisant!


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