Quinteto Astor Piazzolla: "Oblivion". Wiener Konzerthaus
- Silvia Matras
- 25. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Pablo Mainetti: Bandoneon, Matias Feigin: Klavier, Serdar Geldymuradov: Violine, Armando de la Vega: Gitarre, Cristian Basto: Kontrabass
Mit dem Titelsong "Oblivion" , der auch der Titel des neuen Albums ist,lockte das Quinteto all das Publikum ins Konzerthaus, das sich für den Tango im Allgemeinen, im Besonderen aber für die Musik Astor Piazzollas (1921 -1992) interessiert. Vielleicht saßen auch Tangotänzer und Tänzerinnnen im Parkett, die in Buenos Aires Tango bis zur Erschöpfung und mit Begesterung getanzt haben, wie die Schreiberin dieser Zeilen.
All diese mussten umlernen. Denn sie hörten nicht die allgemein bekannten "tanzbaren" Versionen, sondern unverfälschte Originalkompositionen. "Als einzige Formation mit Zugriff auf den gesamten künstlerischen Nachlass Astor Piazzollas ergründen die fünf Ensemblemitglieder die Vielfalt seines grandiosen Gesamtwerkes." (Zitat aus dem Infozettel) Es sei das einzige Ensemble, "das das Oeuvre des virtuosen Großmeisters angemessen repräsentieren könne." (ebda)
Die Diskrepanz zwischen den allgemein bekannten, üblichen Versionen des Piazzollatangos und den Originalversionen erklärt sich aus der "fliegenden Übernahme" der begeisterten Tangocommunity in Buenos Aires. Dort hatte man sehr bald den Tango Nuevo, wie ihn Astor Piazzolla komponierte, zu einer tanzbaren Version umgemodelt. So tanzt man in den Milongas bis heute "Oblivion" und "Adios Nonino" und all diese berühmten Titel frisch und fröhlich in einer adaptierten Version. Da fragte keiner, ob das Piazzolla so gefallen hätte. Wahrscheinlich nicht - denn er sah sich nicht als der "Tangokomponist" im Stil der alten, großen Namen, wie Oswaldo Pugliese oder Carlos de Sarli. Im Gegenteil, er leugnete lange diese seine musikalischen Wurzeln. Erst Nadine Boulanger, bei der er 1954 Unterricht nahm, weckte in ihm das Interesse und die Begeisterung für die Tangomusik.
Mit den tanzbaren Versionen im Ohr fiel die Umstellung auf die "Originalversionen" nicht leicht. Das Ensemble spielte an die zwanzig Kompositionen kommentarlos herunter, eine nach der anderen. Und leider fehlte im Infozettel jegliche Titelangabe. Also hieß es die Ohren spitzen und aus den mit Stakkato und Verve gespielten Versionen hin und wieder Bekanntes zu hören. Verblüfft musste die Schreiberin dieser Zeilen feststellen, dass der ihr vertraute Klang diverser Titel recht wenig mit dem Original zu tun hat. Das Bandoneon fungiert nicht mehr als Überträger von Melancholie und Nostalgie, sondern akzentuiert mit heftiger Rhythmik, Violine und Kontrabass agieren mit Streich- Schlag- und Zupfeinsatz im jazzigen Untergrund. Das Klavier begleitet diskret im Hintergrund und hat nur in wenigen Momenten die Führung, etwa in "Oblivion". Die Gitarre bleibt diskret und sorgt für kurze Vergangenheitszitate.
Das begeisterte Publikum erklatschte drei Zugaben.


