Volles Kulturprogramm am Semmering: 1. August 2026.
- Silvia Matras
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

11h Vormittag: "Tod eines Pudels" mit Alfred Dorfer, Angelika Kirchschlager und Florian Krumpöck.
Beethoven von der melancholisch-heiteren Seite! Er beklagt in diesem Lied den Tod eines Pudels, der treuer und ehrlicher war als so mancher "Freund". Forsch, frisch und bewusst ein wenig überakzentuiert leitet Angelika Kirchschlager mit diesem Lied den amüsanten Vormittag ein, der unter dem Motto steht: Wer ist Angelika Kirchschlager, wie begann ihre Karriere? Es fragt: Alfred Dorfer - Ein erfundenes Interview für den ORF.
Wer Dorfer kennt, der weiß: da wird nichts ernst genommen. Eher alles ganz fein ironisch unter die Lupe genommen, dreimal umgedreht und schon ist die "Konvention der Hochkultur" ein Lacherfolg: "Liederabend" ? - einmal und nie wieder, die Erinnerung daran lässt ihn erschauern. Wagner -bitte nein, wer versteht solche Texte? Geduldig lächelt Angelika Kirchschlager über die Sitesteps ihres Interviewers. Er hat die Lacher auf seiner Seite, setzt gekonnt die Pointen. Dennoch ist die Bewunderung für die Sängerin nicht zu überhören. Er fragt nach ihren Anfängen - Studium, Klagenfurt - da war sie noch das unsichere "Mädchen", lernte aber schnell. Flugs wird sie zur erotischen Carmen - spritzig am Klavier von Florian Krumpöck begleitet, der auch immer wieder in das satirische Hick-Hack der beiden eingreift und mitspielt. Während Angelika Kirschlager das Publikum mit ihrem breit gefächerten Repertoire unterhält, schlüpft Dorfer aus der Rolle des Interviers heraus in diverse andere Figuren, wie etwa den "Umblätterer" oder den Klavierstimmer.
Begeisterter Applaus!
Nach einer ausgiebigen Mittagsrast darf man natürlich nicht Senta Berger, "la grande dame" des Filmes versäumen:
15h: Senta Berger, Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann.
Langer ehrenvoller Auftrittsapplaus. Wohl alle im Publikum wissen um den Verlust, den Senta Berger erlitten hat: Im Frühjahr 2024 starb ihr Ehemann Michael Verhoeven. Bald schon erlebte man sie wieder im Film: "Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke". Danach hatte sie einen schweren Unfall. All dies scheint Senta Berger überwunden zu haben. Sie liest ruhig und ausgeglichen heiter aus ihrem Erinnerungsbuch: "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen man". Ihre Kindheit im Gemeidnebau in Hietzing wird lebendig, ihre Freundschaft mit Karli, dem lanjährigen Spielgefährten. Die liebevolle Beziehung zu ihren Eltern, die die "Flausen" des Mädchens unterstützen. Mit der ganzen Überzeugungskraft eines 16-jährigen Mädchens gelingen ihr die ersten Filmkontakte...
Langer Applaus und standing ovations
Ein voller Kulturtag hoch oben auf 900m neigt sich dem Ende zu. Im kleinen Café ganz in der Nähe serviert der Besitzer auf der Terrasse mit Blick über die Landschaft des Semmerings einen wunderbaren "Caffè affogato". Die Stille nistet sich in die Seele und bleibt.
Der Kultursommer Semmering dauert noch bis zum 6. September 2026


