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Wiener Konzerthaus: ORF Radio-Symphonieorchester Wien: Piotr Beczala Tenor, Marco Boemi Dirigent

Silvia Matras
27. Sept.
3 Min. Lesezeit

Arien von Richard Wagner, Giacomo Puccini,

Umberto Giordano, Amilcare Ponchielli



Piotr Beczala © JB Milliot
Piotr Beczala © JB Milliot

Man sagt, dass sich die Opernfans in zwei Lager teilen: die einen schwärmen für Richard Wagner, die anderen können seine Musik nicht ertragen. An diesem Abend hat Piotr Beczala beide Gruppen begeistert. Er hatte ja richtige "Gustostückerln" ausgesucht. Solche, die keine Kulissen oder modische Regisseure nötig haben. Jede Arie war eine geschlossene Erzählung,

Piotr Beczala singt die Rolle des Lohengrin schon lange. Er hat sie sich auf seine Weise erarbeitet: schlicht, aus dem Innersten dieses sanften "Helden" aufgerollt: Ein weiser, in sich ruhender Lohengrin, der ohne Heldengetue, ohne pompöses Forcieren, ohne aufdringliche Lautmalerei, und trotzdem wortdeutlich diese wundervolle Gralserzählung singt. Feierlich, aber nie majestätisch. Also alles, was die Wagnergegner gerne als Gründe für ihre Gegnerschaft anführen, hat Beczala vermieden. Er braucht das alles nicht. Seine Stimme fließt mühelos, die leisen Kopftöne sind bis in die letzten Reihen hörbar. Die fordernden hohen Töne kommen mühelos. Und so schließt man am besten die Augen und lässt sich von dieser wunderbaren Stimme in die Welt Wagners hineinziehen. Das Preislied des Stolzing "Morgendlich leuchtend im rosigen Schein" beginnt er sehr zart, ändert mühelos die Stimmung auf Fröhlichkeit, die nahe an den Schwung eines Musicals unserer Zeit herankommt. "Siegmunds Liebeslied" ist von betörender Schlichtheit, bis dann zum jauchzenden Ende hin sich Siegmund volltönend zu seiner Liebe zur Schwester bekennt.

Ein ganz anderer Wagner- Held ist Rienzi. Der große verzeihende Sieger ist geschlagen, spürt seine Kraft schwinden. Das Gebet eines Verzweifelten berührt tief. Beczala singt es mit tiefer Innigkeit, ganz ohne Pathos. Als es endet, möchte man "da capo" rufen, aber das gehört sich nicht im Konzertsaal.


Nach der Pause zeichnet Beczala neue Heldenbilder. Cavaradossi ist Künstler und Liebender. Die beiden berühmten Arien aus "Tosca" "Recondita armonia" und "E lucevan le stelle" sind "Weltschlager". Jeder liebt sie, auch nicht Opernfans. Hunderte Male wurden und werden sie im Radio gespielt. Beczala macht aus den "Ohrwürmern" ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Liebe und zur Kunst. Ganz in seinem Stil: bescheiden, nicht auftrumpfend, nur innig. Dass das Publikum nach den beiden Arien vor Begeisterung rast, ist nicht nur dem Bekanntheitsgrad der beiden Arien geschuldet. Das auch, aber mehr doch der überzeugenden Interpretation.

Mit dem tragischen Heldenpoeten Andrea Chénier entwirft Beczala ein Porträt eines Kämpfers gegen Unrecht und Machtfülle. Er steht in der Zeit der Französischen Revolution auf der Seite des Volkes. Doch Intrigen und Machenschaften des Adels liefern ihn der Guillotine aus. Mit tiefer Überzeugungskraft singt Beczala die Arie "Un di all' azzrurro spazio" von der Kirche und dem Adel, die beide die Not des Volkes nicht sehen wollen. Am Ende verkündet Chénier, dass nur die Liebe die Welt retten kann: "Del mondo anima e vita è l' Amor! " Mit stimmlichem Engagement und weich- zärtlicher Stimme lässt Beczala dieses berührende Bekenntnis eines Poeten, der gegen die Mitleidlosigkeit der Mächtigen kämpft enden. Stark ins Herz hinein geht das Gebet Andrea Chéniers vor seinem Tod an seine Göttin, die Dichtkunst.

Mit diesem schwierig zu besingenden Charakterbild eines Todgeweihten endet der Abend. Offiziell. Aber das Publikum tobt vor Begeisterung, standing ovations fordern mehr - und Beczala singt gerne noch weiter:

Aus der polnischen Nationaloper "Halka" von Stanislaw Moniuszko die Arie "Szumia jodly", die er selbst 2019/20 am Theater an der Wien gesungen hat.

Weil das Publikum weiter begeistert applaudiert, gibt es eine zweite Zugabe: Aus "Fedora" von Umberto Giordano "Amor ti vieta di non mar".

Noch immer nicht ist das Publikum bereit, nach Haus zu gehen. Also singt er ein Dacapo: "E lucevan le stelle". Da erinnert sich so mancher an den denkwürdigen Abend in der Wiener Staatsoper, als Jonas Kaufmann diese Arie trotz tobender Aufforderung des Publikums nicht ein zweites Mal singen durfte. Tja, im Konzert gab es keine eifersüchtige Primadonna, die das verbot. Im Konzertsaal bestimmen die Protagonisten nach ihrem Gutdünken. Gut so!!!

An diesem Abend hat Piotr Beczala mit seiner magischen Stimme seinen eigenen Satz widerlegt : "Man kann den ganzen Abend wie ein Gott singen, aber wenn man dann das hohe C nicht trifft, war alles umsonst" (programmheft S 5). Stimmt so nicht, er hätte auch ganz ohne hohes C alle betört. Dass er trotzdem alle hohen Cs traf, mag nur so nebenbei noch gesagt sein.

Zum Erfolg trugen natürlich auch das wunderbare RSO Radio.- Symphonieorchester unter der behutsamen Leitung von Marco Boemi bei. Sie verzauberten mit dem "Vorspiel" aus dem 3. Akt des "Lohengrin", dem Trauermarsch beim Tod Siegfrids, dem "Intermezzo" aus dem 3. Akt von "Manon Lescaut und vor allem auch mit dem "Tanz der Stunden" von Amilcare Ponchielli.



 
 
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