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Claudio Monteverdi: L'Orfeo. Staatsoper Wien

Silvia Matras
vor 10 Minuten
2 Min. Lesezeit

Inszenierung: Tom Morris

Bühne und Kostüme: Anna Fleischle

Stefan Gottfried dirigiert den Concentus Musicus Wien



Orfeo, Euridice und Ensemble © Wiener Staatsoper
Orfeo, Euridice und Ensemble © Wiener Staatsoper

Ein Fest für alle! Ein Fest der Sinnlichkeit! Der Regisseur Tom Morris lud das Publikum zur Hochzeit von Orfeo und Euridice. Rosengirlanden bekränzten den Aufgang im Foyer, im Publikum fungierten Mitwirkende der Oper als maestri und maestre des Festes und leiteten die Gäste zu ihren Plätzen, ließen sich gerne fotografieren und führten Small Talk.

Auf der Bühne herrschte Feststimmung. Anna Fleischle sorgte mit einem üppigen Dekor an Kostümen für geziemende Heiterkeit: Quer durch die Zeiten und Völker scheint die ganze Welt an der Hochzeit teilzunehmen. Rosa Wolken liegen über dem Garten, im Hintergrund spiegelt sich das Publikum der Oper. Doch erste Anzeichen des drohenden Unheils sind die dürren Äste kahler Bäume und knochiger Tierskulpturen mitten im Garten. Auch die vom Himmel sich herabsenkende Brautkrone gleicht eher einer Dornenkrone. Denn mitten in der Feier verkündet die Botin den Tod Euridices. Und Orfeo macht sich auf in die Unterwelt: Der Boden öffnet sich, und er durchwandert unter den schlangenartigen Baumwurzeln die Welt des Orkus. Der Rest ist bekannt: Er verliert Euridice im Augenblick, als er voller Sorge um sie sich umdreht.


Monteverdis Musik ist noch keine pure Oper, aber man benennt sie allgemein als die erste ihrer Gattung. Aus Rezitativ und Sprechgesang hört man bereits den arienartigen Ansatz heraus, was Rolando Villazon mit seinem baritonalen Timbre geschickt zu nützen weiß. Seine warme Mittellage verleiht der Rolle sentimentale - gefühlvolle Tiefe. Mag auch manche Geste der barocken Tradition folgend als zu theatralisch und gestelzt erscheinen - man sieht und hört nur die Intensität, mit der Villazon den Liebenden und Leidenden erfüllt. Anna Bondarenko (an Stelle der erkrankten Florina Ilie) macht ihre Sache gut, sieht zerbrechlich und schön aus und muss nicht viel singen, sie stirbt ja bald.

Nadezhda Karyazina bezaubert in den Rollen der Musik, der Hoffnung und als Echo mit ihrem zarten Sopran. Margaret Plummer füllt die Rollen der Botin und Proserpina mit ihrem warmen Mezzosopran mit Leben. Mattheus Franca gibt einen eindrucksvollen Gott der Unterwelt, Hiroshi Amako strahlt als Apollo. Unter den stimmlich schwachen Hirten sticht Jannik Junzhe Zeng, Studierender am Mozarteum Salzburg, durch seinen beachtlichen Bariton heraus.


Ein begeistertes Publikum dankte dem Ensemble, vor allem Rolando Villazon und dem Dirigenten Stefan Gottfried für diesen stimmigen und sehr sinnlichen Opernabend.

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