Willkommen im Ganymed Areal!
Ganymed, das Kunstprojekt im Kunsthistorischen Museum, ist nach vielen Jahren umgezogen. Jacqueline Kornmüller lässt nun Ganymed im Otto Wagner Areal auf der Baumgartner Höhe landen!

Eindrucksvoll empfängt das "Mahnmal für die Opfer vom Spiegelgrund" vor dem Jugendstiltheater die Besucher. Es erinnert mit 772 Lichtstelen an die Kinder, die in dieser Anstalt zwischen 1940 und 1945 von den Nationalsozialisten ermordet wurden. An diese schrecklichen Morde erinnert auch die Performance von Johanna Doderer ("Für die Kinder von gestern").

In verschiedenen Pavillons entwickeln Gruppen von Musikern und Schauspielern Szenen, die indirekt mit den Geschehnissen auf dem Areal zu tun haben.
Im großen Saal des Jugendstiltheaters erzählen sechs Frauen in blauer Anstaltskleidung von "Christine", die einst eine robuste Frau war, eines Tages aber das Gefühl für ihren Körper verlor: "Die körperlose Frau" (Text Oliver Sacks).

Monika Helfert schrieb für das Projekt "Ganymed Areal" den eindrucksvollen Text über ein Mädchen, das nicht spricht, ihre Gedanken in hunderten Heften niederschreibt. Die Mutter muss ihr versprechen, nie diese Texte zu lesen. Andrea Eckert spricht diese Erzählung über "Das andere Mädchen" als betroffene Mutter. Sie liebt dieses Kind, das anders - oder anders begabt - ist, und hält ihr Versprechen über den Tod des Mädchens hinaus.
An Schamaninnen aus Kuba erinnern die Schwestern Mercedes und Miriam Vargas. Eine der beiden ist von einem bösen Geist erfasst, der sie unter Krämpfen leiden lässt.

Die andere Schwester sucht als "bruja" (Heilerin, Hexe) ihr zu helfen. Eindrucksvolle Tanzperformance!

"Mit Haut und Haaren" (Text Milena Michiko Flasar) ist die traurige Geschichte einer zerstörerischen Obsession: Schon als kleines Mädchen war sie der Musik, dem Klavier verfallen. Sie wollte nichts anderes als eine berühmte Pianistin werden. Doch die Seele verweigert ihr den Dienst und lässt ihre Hände versteifen. Begleitet vom zarten Klavierspiel der Pianistin Johanna Kam erzählt Alma Hasun ganz intensiv von diesem verzehrenden Wunsch und dem Scheitern.
Der Vollmond auf dem dunklen Nachthimmel wirft gespenstige Schatten in die Waldwege und auf die in die Jahre gekommenen Pavillons. Als Publikum ist man von der Architektur Otto Wagners gleichermaßen beeindruckt wie auch eingeschüchtert. Man meint, den Geist der Vergangenheit, der einst die Kranken hier mehr bedrückte als heilte, zu spüren. Doch da leuchtet die schier überirdisch schöne Jugendstilkirche (ebenfalls Otto Wagner) durch das Dunkel. Man hört von weitem dumpfe Schläge und dunkle Rufe. Als wäre die Welt der Kranken nicht vergangen. Im goldprangenden Inneren spielt sich ein Austreibungsritual ab. Unter den befehlenden Schlägen eines Tamburins muss ein Patient im offenen Krankenhauskittel, dann bald halbnackt, seine Ängste vertanzen. Ein in scharlachrotes Gewand gekleideter "Priester" spricht Beschwörungen. András Dés, Srdan Ivanovic und Omid Darvish sind die Darsteller dieser beklemmenden Szene.
Nach diesem starken Auftritt sind Voyeurismus und Lust, noch mehr in die Abgründe der Seele zu blicken, reichlich gestillt. Mehr darf es nicht sein. Schweigend geht man über die dunklen Wege zurück zum Ausgang auf die Straße, wo das "normale" Leben herrscht. Und fragt sich, wo die Grenze zwischen "normal" und "anders" liegt.
Weitere Termine: 3., 10., 17., 24. Oktober 2026


