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Yasmina Reza: Kunst. Theater Akzent

  • Silvia Matras
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Christoph von Friedl, Stefano Bernardin, Manuel Witting. © Andreas Tischler
Christoph von Friedl, Stefano Bernardin, Manuel Witting. © Andreas Tischler

Serge:Stefano Bernardin, Marc: Christoph von Friedl , Ivan:

Manuel Witting


Regie: Alexander Jagsch


Bessere Darsteller für diese drei Typen in der Komödie "Kunst" hätte man in der ganzen Schauspielerriege Österreichs (und Deutschlands!) nicht finden können:

Stefano Bernardin mit schwarzgerandeter Intellektuellenbrille, geglättetem Haarhelm und elegantem Slimanzug ist der angeberische Pseudointellektuelle in Reinkultur. Christoph von Friedl in konservativem Outfit - Gilet und Stecktuch- ist der Altvordere, der an die "Moderne", was immer das sein soll, kein gutes Haar lässt.

Manuel Witting in ausgebeultem Shirt und abgewetzten Jeans ist der gutmütige Trottel, der zwischen den beiden Kampfhähnen zu vermitteln versucht und dabei ordentlich einstecken muss.

Serge, ein gutverdienender Dermatologe, hat ein blitzblankweißes Bild ohne Nix darauf um 200.000 Francs (heute eher Euro) gekauft und präsentiert es stolz seinem Freund Marc. Der findet es "Scheiße" und zweifelt an dessen Kunstverständnis. Ivan findet es nicht schlecht, er will keinen seiner beiden Freunde vor den Kopf stoßen, also druckst er herum. Eigentlich hat er andere Sorgen: Will er nicht weiterhin arbeitslos sein, muss er in das von ihm verhasste Papiergeschäft seines zukünftigen Schwiegervaters einsteigen. Das ist die Ausgangslage. Im Laufe des Abends steigert sich die Diskussion um das Bild in eine Grundsatzdiskussion um "Kunst" - doch da bleibt die Autorin vage und der Text wird ziemlich spröde. Was aber die drei Erzkomödianten -allen voran Ivan als gutmütiger Loser - locker überspielen. Etwas griffiger wird der Textl, als es um Freundschaft geht: wieviel eigene Meinung hält sie aus? Wo beginnt die Beleidigung? Da Serge und Marc offensichtlich keine Geldsorgen haben, übersehen sie geflissentlich die missliche Lage ihres Freundes. Sie kämpfen darum, wer die absolute Hoheit über die intellektuelle und künstlerische Meinung hat. Köstlich sind die pseudowissenschaftlichen Tiraden, die da Serge über Marc ausschüttet. Der wiederum antwortet mit Gleichmut und der Arroganz des Verweigerers: Dein Bild ist Scheiße. Die Dialoge sind pseudowitzig - wie ja das ganze Stück um "Pseudo" geht: Pseudobild, Pseudoanalyse, Pseudomoderne, Pseudo-Retro etc. Unterhaltsam ist es, weil die drei Erzkomödianten alle Register ziehen, ohne je in Klamauk zu verfallen - was wohl auch das Verdienst des Regisseurs Alexander Jagsch ist.

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