"Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams. Theater Scala
- Silvia Matras
- vor 2 Tagen
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Das Ensemble. © Bettina Frenzel
Inszenierung: Felix Metzner, Bühne: Robert Notsch, Kostüme: Sigrid Dreger
Wer Theater pur und nicht Spektakel , Performance oder Clownerie sehen will, der hats nicht leicht. Theater wie Volkstheater, Burg und Akademie, um nur einige zu nennen, haben sich längst schon der Politperformance oder dem verkasperlten Theater verschrieben. Sie nennen es zum Beispiel "nach Schiller" und erlauben sich ohne Scham, fremde Texte umzudeuten und auszubeuten nach ihren skrurrilen Regievorstellungen.
Eines der wenigen Theater, wo noch Theater gespielt und nicht gekasperlt wird, ist die Scala auf der Wiedner Hauptstraße. Dort ist man gewiß, dass nicht "nach" einem Autor, sondern der Text im Sinne des Autors gespielt wird.
So auch in der Inszenierung "Die Katze auf dem heißen Blechdach": In einer Südstaatenresidenz in den USA der 1950er Jahre - helle Möbel, große Terrasse mit Blick in einen Sommerhimmel - wird gefeiert. "Big Daddy" hat Geburtstag und eben erfahren, dass er keinen Krebs hat und noch lange sein Leben wird genießen können. Doch alle Familienmitglieder, bis auf die Ehefrau, wissen, dass diese Diagnose nicht stimmt, dass es bald mit Big Daddy zu Ende gehen wird. Und nun geht es ums Erbe, Geld und Macht. Daher heuchelt und lügt jeder, dass sich die Balken biegen. Bis es Big Daddy zu viel wird und er alle aus dem Zimmer wirft, um mit dem einzigen Menschen, den er wirklich liebt, KLartext zu reden. Der ist zum Säufer geworden und schert sich als einziger nicht ums Erbe. Er liegt im Dauersuff und im Dauerclinch mit seiner Ehefrau Maggie, die sehr wohl aufs das Erbe spekuliert, aber zugleich in einem aussichtslosen Kampf, wie eine Katze auf dem heißen Dach, um die Liebe ihres versoffenen Mannes kämpft.
Dieses Drama um Lüge, Heuchelei, Selbsttäuschung und Gier hat Felix Metzner text- und sinngetreu auf die Bühne gebracht. In Kostümen aus der Zeit agieren Menschen wie du und ich - all ihre Ängste, Lügen sind heutig und verstehbar. Ein großartiges Ensemble "schmeißt" sich mit Verve in die Rollen: Wolfgang Seidenberg ist ein kraftstrotzender, selbstbewusster Big Daddy, der seine heuchlerische Familie durchschaut. Großartig die Szene, in der er den betrunkenen Brick (Adrian Stowasser) zum Eingeständnis seiner Homosexualität bringen will. Großartig auch Maggie (Samantha Steppan), die Brigg fast zwanghaft begehrt und nur eines will: mit ihm schlafen. Christina Saginth ist eine devote Ehefrau, die den Big Daddy mit ihrer übertriebenen Fürsorge nervt. Als gelungene Satire legt der Regisseur die Szene an, in der die "lieben Kinder" der "Big Mama" gestehen müssen, dass Big Daddy sehr wohl unheilbar krank ist und bald sterben wird. Das ist Heuchelei pur- denn bald darauf werden sich alle vor Gier und Hass zerfleischen: Mae, die ewig schwangere Schwiegertochter,- mit viel Selbstverleugnung von Johanna Rehm gespielt - und der ehrgeizige und heuchlerische Cooper, Big Daddies Sohn (Boris Popovic) ergänzen das verlogene Familienporträt. Selbst die fünf unerträglichen Kinder des Paares Mae und Cooper haben schon die Heuchelei perfekt inhaliert.
Insgesamt ein Abend, der Hoffnung gibt, dass das Theater noch nicht ganz am Boden liegt.
Ein großartiges Familienporträt, das in Variationen heute ebenso sich darbietet. Wer verschweigt was und warum? In vielen Familien gibt es Geheimnisse, dunkle Flecken, über die nicht geredet wird.
Theater zum Fürchten in der Scala, Wiedner Hauptstraße 108, 1050 Wien


