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Ferdinand Schmalz: Bumm Tschak oder Der letzte Henker

  • Silvia Matras
  • vor 14 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Regie: Stefan Bachmann, Bühne: Olaf Altmann, Kostüme: Adriana Braga Peretkzi, Licht: Bernd Purkrabak

© Tommy Hetzel
© Tommy Hetzel

Worum geht es? - Versuch einer Inhaltsangabe: Die Welt ist irgendwie dem Untergang geweiht - wie , wo,? Man weiß nichts Genaueres. Doch die Reichen konnten sich in den Club retten , wo man die Ängste wegtanzen kann. Nicht alle haben Zutritt - ein Türsteher entscheidet, wer rein darf. Die frisch gewählte Kanzlerin tänzelt jedoch ohne Probleme hinein, hält ihre Antrittsrede und meint, die Todesstrafe soll eingeführt werden, um unliebsame Gegner gleich zu beseitigen. Als Henker bestimmt sie den Betreiber des Clubs, Der soll nun seine Freundin köpfen und den einzigen Delinquenten, der schon Jahre einsitzt. Er köpft, aber er köpft auch die Kanzlerin. Doch am Ende sind alle wieder lebendig.


So, das wäre der dürftige Inhalt, den ich verstanden habe - akustisch verstanden habe. Denn ein Großteil der Schauspieler ist der schwierigen Sprache - Textflächen, Chor, rhythmisch eingefärbte Verse und Alltagssprache - nicht ganz gewachsen. Ab der 10. Reihe ist Schluss mit Wortdeutlichkeit, und man versteht nur diejenigen wirklich gut, die eine ordentliche Sprachausbildung genossen haben. Das sind: Max Simonischek als Clubchef Josef, Stefanie Dvorak als strenge Tür und als Strafvollzugsbeamter, Stefan Wieland als Delinquent, Melanie Kretschmann in ihrer Auftrittsszene. Schwer zu verstehen waren: Thiemo Strutzenberger als Flamboyanza, Maresi Riegner als Flo, Mehmet Atesci und Sarah Viktoria Frick als Systemchargen. Mein Rat an die Regie: In der Generalprobe "Testhörer", die den Text nicht kennen, in die letzen Reihen im Parkett zu installieren, um zu erfahren, was alles unverständlich blieb.


Die Aufführung: Auf einer schräg angeschnittenen Bühne (Olaf Altmann) beklagt sich einer über das ewige Grau, die Sonne hat sich seit Monaten nicht mehr gezeigt. Wer genug zahlt, der geht in den "Club", wo er bei Techno und Blendscheinwerfern die Welt draußen vergessen kann. ( Man meint einer aktuellen Wetterprognose zuzuhören, und gleichzeitig läuft die Übertragung des größten Balls der Eitelkeiten - des Opernballs). Wer hinein darf entscheidet der Türsteher - er entscheidet über Überleben im Club oder Abkratzen in der kaputten Welt draußen - großartig von Stefanie Dvorak interpretiert als Mischung aus strengem Humor und Aberwitz. Dem Clubbesitzer Josef (Max Simonischek) geht das Treiben schon auf den Geist, aber auf welcher Seite steht er? - Auf der der Opposition, wie seine Freundin Flo (Maresi Riegner), die der Kanzlerin rote Sauce ins Gesicht geschüttet hat und nun im Gefängnis sitzt, oder auf der Seite der neuen Kanzlerin, die ihn zum Henker erklärt. Köpfen oder Widerstand leisten? - Diese Frage stellt sich nur kurz, denn am Ende haben alle Geköpften wieder ihre Köpfe auf dem Hals.

Es hätte ein köstliches Politdrama werden können, wenn nicht die gedanklichen Konturen durch die clownesken Kostüme und die teils verschwurbelten Texte in den Klamauk gerutscht wären.

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