Wiener Konzerthaus: Pittsburgh Symphony Orchestra. Manfred Honeck - Dirigent. Augustin Hadelich: Violine
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Mit diesem exquisiten Konzert wurde die Saison 2026/2027 eröffnet. Zu Beginn trat der Intendant des Hauses Matthias Naske ans Mikrofon und lud das Publikum ein, nach dem Konzert mit Speis und Trank, Musik und guter Laune bis Mitternacht gemeinsam weiter zu feiern. Allerdings, so Matthias Naske, läge ein Schatten über dem kommenden Jahr: Von den Gesamteinnahmen sollten 12,5% an die Stadt Wien als "Kultureuro" (Idee: Kulturstadträtin Kaup-Hasler, SPÖ) abgeliefert werden. Eine existenzbedrohende Forderung, so Matthias Naske, die hoffentlich nicht durchgesetzt wird.
John Adams: "Short Ride in a Fast Machine. Fanfare für Orchester" (1986)
Im gleichbleibenden Takt beginnt der Woodblock (Holzblocktrommel). Klarinetten und bald das ganze Orchester schließen sich zu einem immer schnelleren "Ritt" an. Dem Komponisten schwebte dabei die Fahrt in einem Rennauto vor, das immer schneller wird und der Mitfahrer sich wünschte, nie eingestiegen zu sein. Doch die kurze Orchesterfahrt ist eher amüsant als zum Fürchten. Sie endet mit einem kurzen Knall - als hätte der Mitfahrer die Autotür zugeworfen, glücklich, den Ritt überstanden zu haben. Anders das Publikum: Es amüsierte sich und klatschte dem Orchester und dem Dirigenten, der sich als souveräner Rennfahrer erwies.
Samuel Barber: Konzert für Violine und Orchester op.14 (1939). Violine: Manfred Honeck

Statt halsbrecherischem Tempo und (Takt)Schlägen hüllte nun Augustin Hadelich das Publikum mit unglaublich zarten, gehauchten Pianissimi ein. Seiner Guaneri aus dem Jahr 1744 entlockte er unglaublich zarte, fast gehauchte Töne:
Gleich zu Beginn übernimmt die Solovioline das Thema. Manfred Honeck legt das Orchester wie Seide darunter - durchsichtig, unaufdringlich, aber mit Präsenz. Noch intensiver, inniger dann das berühmte Andante. Aus den fernen Oboeklängen steigen die zarten Pianissimi der Geige auf. Hadelich , die Geige und das Publikum sind eine gemeinsame Seele! Darauf folgt der Schlusssatz mit vollem Tempo, Hadelich steigert es ins Unglaubliche, ins Atemlose.
Zugaben: Robert Schumann: Träumerei op.15/7
Antonin Dvorák: Symphonie Nr. 9 e-moll op.95 "Aus der Neuen Welt" (1893)
Manfred Honeck über diese Symphonie: "Antonin Dvoráks Neunte Symphonie begleitet mich seit vielen Jahren, Kaum ein anderes Werlk verbindet unmittelbare Zugänglichkeit mit einer solchen Fülle an musikalischen Einfällen und emotionalen Facetten." (zitiert aus Programmheft S 18)
Diese Begeisterung des Dirigenten für das Werk hört man aus jedem Taktschlag heraus: Präzise, feinfühlig dirigiert er das Orchester, das ihm im vollen Vertrauen folgt.
Es beginnt zart, wehmütig, sofort gefolgt von Paukenschlägen, die den temperamentvolleren Teil einleiten, bis zum mächtigen Ende. Der 2. Satz, das berühmte Largo, klingt nach einer wehmütigen Klage - eine Mischung aus böhmischer Melancholie und amerikanischer indigener Musik? Mächtig dann der dritte Satz, der an Themenvielfalt alle vorigen übertrifft. Er klingt, als hätte Dvorak alle Ideen aus der alten und neuen Welt noch einmal verherrlichen und vereinen mögen. Manfred Honeck dirigiert präzise die Themen heraus, verbindet sie geschickt und lenkt souverän das wuchtige Finale.
Dem frenetischen Applaus dankten Dirigent und Orchester mit zwei (!) Zugaben:
Johannnes Brahms: Ungarischer Tanz 1
Franz Schubert: Am Tage Aller Seelen - Bearbeitung für Orchester Manfred Honeck


