Salzburger Festspiele: PREISTRÄGERKONZERT
- Silvia Matras
- vor 2 Tagen
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Dirigent: Christian Blex, Sopran: Hanna-Elisabeth Müller. ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Am 17. August 2026 dirigierte Christian Blex das ORF Radio -Symphonieorchester Wien und stellte sein herausragendes Können unter Beweis.
Das Programm war sorgfältig ausgewählt und spannte einen Bogen über Einkehr und Stille zu Liebe, Tod, Heldendrama und Verklärung-
Bernd Alois Zimmermann (1918-1970): Stille und Umkehr -Orchesterskizzen
Etwa 10 Miinuten hört man gebannt zu, wie Christian Blex eine einzige Note (Ton d, der "Todeston") durch den Raum schweben lässt. Minimalismus pur! Eindrucksvoll lässt er Pausen zwischen dem Ton einfließen, der in der schwingenden Wiederholung eine unglaubliche, fast mystische Sogwirkung entfaltet. "Es fällt schwer, das Werk nicht in Verbindung zu Zimmermanns eigenem Tod zu setzen: Vier Monate nach der Komposition 1970 nahm sich der 52-Jährige das Leben" , schreibt Walter Weidinger im Programmheft (S10). Doch, wer sich einlässt, der hört auch eine tiefe Ruhe, eine Einladung zum Rückzug aus demTrubel des Alltags heraus.
Richard Strauss (1864-1949): "Malven" und "Vier letzte Lieder für Sopran und Orchester". Sopran: Hanna-Elisabeth Müller
Malven
Datiert 23. November 1948. Bearbeitung für Sopran und Orchester von Wolfgang Rihm (1952-2024), entstanden 2013, uraufgeführt am 14. April 2014 in Salzburg.
Text: Betty Knobel (1904-1998)
Die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller gab diesem schlichten Gedicht über die anspruchslosen Malven, die weder mit Duft, noch mit Purpur prangen, eine romantische Note mit einem leisen Unterton der Trauer.
Vier letzte Lieder
Frühling (Hermann Hesse)
Christian Brex führt das Orchester als dezente Untermalung, lässt der Sopranistin vollen Raum für die Verzierungen, mit denen sie das Frühlingswunder begrüßt.
September (Hermann Hesse)
Auch hier gibt der Dirigent viel Zeit der Sängerin , die das langsame Vergehen des Sommers ("Der Garten trauert") mit ihrer warmen Stimme ausmalt.
Beim Schlafengehen (Hermann Hesse)
Tröstlich, mit einem Hauch von Abschiedswehmut kommen Text und Musik rüber. Dieser Seelenruhe "im Zauberkreis der Nacht" verleiht Hanna-Elisabeth Müller miit zarten Verzierungen, leisen Tönen die erforderliche Tiefe.
Im Abendrot (Joseph von Eichendorff)
Ist es die Danksagung des Komponisten an seine Ehefrau Pauline, mit der er über 50 Jahre in einer gelungen Ehe verbrachte? Ist es Todesahnung, die aus den letzten Zeilen des Liedes erklingt?: "Wie sind wir wandermüde - ist dies etwa der Tod?" Jedefnfalls geben Dirigent, Orchester und die Interpretin Hanna -Elisabeth Müller dieser Todesahnung dennoch einen trostvollen Ausklang.
Für diese stimmungsvolle Interpretationen spendete das Publikum der Sopranistin den ihr gebührenden Beifall!
Nach der Pause wurde es dramatisch, und der junge Dirigent "zog nun andere Seiten auf". Blex führte durch die Höhen und Tiefen des Helden mit feiner Differenzierung der einzelnen Szenen, sparte nicht mit " Byron´schem Pathos".
Peter I. Tschaikowski (1840-1893): Manfred op 58 Symphonie h-Moll in vier Bildern nach Lord Byron
Lord Byron (1788 - 1824) galt als Dichtergenie. Seine romanti schen Helden litten unter dem Weltschmerz, ganz nach dem Vorbild von Goethes Faust. Das dramatische Gedicht in drei Akten "Manfred" diente Tschaikowski als Vorlage für die gleichnamige Symphonie in vier Sätzen.
Lento lugubre - Moderato con moto - Andante
Nach kurzer, heftiger Klage und dem Schock über den Tod seiner geliebten Schwester Astarte wird aus dem Trauermarsch ein fein gesponnenes Erinnerungsgemälde: leise schwebende Töne der Streicher vermischen sich mit zarten Zitaten von Bläsern. Doch das Ende ist "fuoco" - die Erkenntnis, dass Astarte, die geliebte Schwester des Helden Mandred, tot ist!
Vivace con spirito
Die Feinarbeit des Dirigenten wird deutlich: Jede Seelenregung wird ahnbar, hörbar gemacht, Oboen, Flöten im "pfiffigen" Einsatz. Blex deklariert sich als Meister der filigranen Bilder (Programmmusik im besten Stil)! Wie so ein romantischer Held eben sein soll - zwischen frohlockend, jauchzend und tiefer Betrübnis - so wechselt die Musik zwischen tänzerischen Momenten und Melancholie.
Andante con moto
Samtiger Beginn in Dialogen zwischen Geigen und Bläsern. Dann Stiegerung bis zum heftigen Aufbrausen, sieghafte, zwanghafte Fröhlichkeit, am Ennde ein leiser Ausklang .
Allegro con fuoco
Gleich zu Beginn setzt Brex mit scharfen Taktschlägen zum "fuoco" an, steigert das Tempo, Trompeten und Posaunen künden den Tod. Doch es wird kein Teufelsritt, im Gegenteil - noch einmal reflektiert der Held über sein Leben, er inszeniert seinen Tod ohne Reue - voller Triumph mit dem vollem Orchesterklang samt Harmonium.
Das Publikum feiert den jungen Dirigenten und das ORF Radio-Symphonieorchester, die gemeinsam einen aus dem Programm der Festspiele herausragenden Abend präsentierten. Langer Applaus, Bravorufe und standing ovation!!

