Tonkünstler -Orchester Niederösterreich: Asmik Grigorian Gesang, Fabien Gabel Dirigent
- Silvia Matras
- vor 2 Stunden
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Alles stimmte zusammen: Ein Sommeabend voller Licht und Lichterglanz. Das Orchester unter dem Chefdirigenten Fabien Gabel im engagierten Einsatz. Dazu die herrliche Sopranstimme von Asmik Grigorian.
Ottorino Respighi: "Fontane di Roma" (1916)
Mit dieser beschaulichen, impressionistischen Musik startet der Abend, passend zu dem sanften, schwindenden Sonnenlicht. Das "Andante mosso" gilt dem eleganten Brunnen in der Valle Giulia. Im Morgenlicht der aufgehenden Sonne ruhen die Schildkröten rund um das Becken und speien glitzernde Wasserstrahlen. Auf der Piazza Barberine speit ein wütender Triton die Fontäne in die Luft - die Musik wird fordernd, bewegt. Gegen Mittag steigert sich die Musik rund um den Trevibrunnen: Man meint, das Wasser und den Herrscher der Meere mit seinen Pferden durch die Wogen reiten zu hören. Der Abend gleitet musikalisch sanft am Brunnen der Villa Medici aus.
Vincenzo Bellini: "Casta diva" Arie der Norma aus der gleichnamigen Oper (1831).
Mit Spannung wartet das Publikum auf den Star des Abends. Asmik Grigorian erscheint in einem Phantasiekostüm, das man als Gewand einer Druidenpriesterin interpretieren könnte: dunkelroter Hosenrock im Stil der kretischen Bäuerinnen, ein schwarzes Korsett mit ausladendem Kragen aus schwarzen Vogelfedern. Gefaßt und ruhig steht sie, still und nach innen gekehrt beginnt sie diese berühmte Arie. Grigorian entfaltet eine inniges Gebet an die Mondgöttin, sendet ihre Bitte mit erhobenem Haupt in die nun schon dunkle Nachtluft hinaus. Sie ist mit Überzeugungskraft ganz in der Rolle! Anders als an "Arien- und Liederabenden", wo der/die Interpret-in ein Stück nach dem anderen vorträgt, meist in einem eleganten Abendoutfit. An diesem Abend geht es nicht um den "Unterhaltungswert" solch einer Veranstaltung, sondern um eine Priesterin, die um Frieden bittet. Gregorian interpretiert dieses Gebet als demütig Flehende, anders als im Theater an der Wien, wo sie eine kämpferische, zornige Priesterin inmitten ihrer Arbeiter war. Am Ende setzt zögernd der Beifall ein, als wollte man die Weihe des Gebets noch nachklingen lassen. Dann aber braust die Begeisterng hörbar auf.
Giuseppe Verdi: Ballettmusik aus der Oper "Macbeth" (1865)
Eine andere Göttin hat in dieser Musik das Kommando: Die finstere Hekate regiert die Hexen, die Macbeth in trügerischer Weise sein Schicksal voraussagen. Als Göttin der Magie und der Finsternis führt sie den Hexenreigen an.
Verdi schrieb diese Balletmusik für die französischen Opernbühnen, wo traditionell in jeder Oper ein Ballett vorgeschrieben war. Dass ihm dieses Stück Vergnügen bereitet hat, hört man gleich zu Beginn: Donner und Blitz leiten es ein, daraufhin tanzen die Nymphen und Hexen einen Höllenreigen, der Macbeth in trügerische Zukunftsträume wiegt.
Nach der Paus wird es zunächst samt-romantisch mit Mél Bonis' "Salome" für Orchester (1909-20)
Eine ganz andere Salome, als man sie kennt, präsentiert Mel Bonis in diesem kurzen Orchesterwerk: Eine kindliche, fast unschuldig wirkende Salome tänzelt von verführerischn Klängen der Flöte und Geigen begleitet durch den Raum. Sie ist ein Kind, dessen exzentrischer Wunsch nach dem Kopf des Johannes in Erfüllung geht.
Anders, erotisch aufregend dann: Richhard Strauss: "Tanz der sieben Schleier" aus der Oper "Salome" (1905)
Die Musik hört sich an wie eine Zusammenfassung aller möglichen Salomeinterpretationen: Von der unschuldig Naiven zur machtvollen, selbstbewussten Frau, die ihre Schönheit einsetzt, um den unsäglichen Wunsch erfüllt zu bekommen. Eine aufwühlende Musik, die auf den letzten Höhepunkt des Abends vorbereitet:
Asmik Grigorian singt die Arie aus dem Finale der Oper "Salome": "Ah, du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen"
Ein blutgewaltiger Text und eine blutgewaltige Musik! Asmik Grigorian stellt sich dieser Rolle wie erwartet mit vollem stimmlichen Einsatz. Dabei bleibt ihre Mimik und Gestik bewusst ruhig. Es ist die Ruhe der Siegerin! Zunächst. Machtvoll veerkündet sie mit klirrend-klarem Sopran ihren Sieg über den Mann, der sie nicht lieben wollte, der sie verachtete. Nun küsst sie seinen blutigen Mund. Küsst den toten Kopf! Eine grauenhafte Vorstellung, Aber am Schluss wird aus dem Triumph Zärtlichkeit, ein Flehen um Liebe, in der Hoffnung, dass er sie vielleicht doch geliebt hätte. Am Ende singt Grigorian von einer Salome, die ahnt, dass Liebe bitter ist. Ihr bleibt nur der Trost der Rache: "Was tut´s? Ich habe deinen Mund geküsst." Eine grauenhaft-machtvolle Arie, der Grigorian ihre klirrende Stärke verlieh!
Ein Moment, wo Gerede schweigen muss. Selbst Applaus wäre störend. Aber man tut es doch.
Ein Abend mit raffiniert zusammengestelltem Programm: Eingebettet von interessanter Vorbereitungsmusik, mit Göttinen, Hexen, Mythen, singt eine Sängerin nur zwei Arien - klug vorbereitet und gesetzt: Jeweils am Ende eines Parts. So steigert man Spannung. Und aus einem üblichen "Liederabend" wird eine musikalische Sensation!

