Daniel Kehlmann, Ostern. Kammerspiele
- Silvia Matras
- 13. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Regie und Video: Stephanie Moor. Bühnenbild: Florian Parbs. Kostüme Tanja Liebermann

Hat dieses Stück wirklich Daniel Kehlmann geschrieben? Der Kehlmann, der das packende Drama "Die Reise der Verlorenen" und den faszinierenden Roman "Die Vermessung der Welt" verfasste??? Und jetzt das! - Öde Sketches aus der Löwingermottenkiste im 1. Teil, ein Trauerspiel im wahrsten Sinn des Wortes im 2. Teil. Zur Aufwertung nennt Kehlmann den ersten Teil "Letzte Tage" und spielt damit auf Karl Kraus an. Den Vergleich hätte er besser nicht provoziert. Den 2. Teil nennt er "Auferstehung" und lässt den geplagten Schauspieler (Raphael von Bargen) den "Osterspaziergang" aus Goethes Faust zitieren. Um den Titel zu rechtfertigen !? Dem Direktor schien die Vorlage gefallen zu haben, sonst hätte er ja nicht das O.K. zur Aufführung gegeben.
Es beginnt mit der Vernaderei - die Nachbarin verlässt schon wieder das Haus, das gehört angezeigt!! Die Macht der eben noch Machtlosen: Ein Polizist weist die Besitzerin aus ihrem eigenen Haus, weil es Zweitwohnsitz ist. Und so weiter und so fort. Mehr als peinlich wirds, wenn Julian Valerio Rehrl ein brüllendes Baby mit Schnuller spielen muss.
Peinlich wirds auch, wenn derselbe Sebastian Kurz in Radlerhosen und blauer Anzugjacke miit kindlicher Stimme sich gegen den Hitlervergleich von Seiten des bayrischen Ministerpräsidents wehrt. Und so weiter mit Banalitäten und Peinlichkeiten.
Nach der Pause kommt der dicke Ernst: Raphael von Bargen müht sich gefühlte eineinhalb Stunden ab, einen erfolglosen Schauspieler zu mimen, der in einem schäbigen Hotel zwölf Tage in Quarantäne zubringen muss. Der Text strotzt vo r Langeweile -klar der arme Gefangene langweilt sich. Witzig und völlig an den Haaren herbeigeredet ist der Besuch des obdachlosen Philosophen (Ulrich Reinthaller). Der sieht überall seine tote Frau. Am Ende stürzt sich der Philosoph aus dem Fenster und die Übriggebliebenen sind auch alle tot und warten auf ihre Auferstehung.
Wieder einmal ist es das tolle Ensemble, dass diesen Text durch gediegene Schauspielkunst rettet,so dass man hin und wieder schmunzelt, zumindest im 1. Teil. Während des 2. Teiles schlafen im Publikum einige tief und fest, andere schauen immer wieder auf die Uhr, ein verliebtes Pärchen beginnt zu schmusen. Obwohl das Stück wirklich keine Meisterleistung ist, spendet das Publikum höflichen Applaus - die Schauspieler haben ihn verdient.


