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"Schuberts Schweigen" - Schuberttheater

  • Silvia Matras
  • 26. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Epos Quartett. Puppenspieler und Schauspieler: Angelo Konzett. Buch und Regie: Simon Meusburger, Idee: Klaus Christa. Puppenbau: Claudia Six

Angelo Konzett mit "Schubert" © Barbara Palffy
Angelo Konzett mit "Schubert" © Barbara Palffy


21. März 1826: Dass sich Franz Schuberts Leben an diesem Tag für immer veränderte, wissen wir deswegen so genau, weil er, der seit seinem 13. Lebensjahr ununterbrochen komponierte und so bereits ein sehr umfangreiches Werk geschaffen hatte, an diesem 21. März für über drei Monate verstummte. Ein langes Schweigen war Schuberts Antwort auf ein denkwürdiges Konzert des Wiener Musikvereins, der Uraufführung von Ludwig van Beethovens Streichquartett in B-Dur op. 130 mit dem ursprünglichen Schlusssatz, der “Großen Fuge” op. 133. Beethovens Quartett hatte Schubert die Feder aus der Hand geschlagen. Nach diesen Monaten der Stille komponierte er in einer völlig unrealistischen Zeit von zehn Tagen das Streichquartett in G-Dur. Welcher Satz von Beethovens Streichquartett Schubert damals am tiefsten getroffen hat, lässt sich erahnen: Es war der peitschende Rhythmus der Großen Fuge, jenes 18 Minuten lange verrückte Musikstück, das auch heute noch Konzertbesucher*innen zu verstören vermag. Dieser Rhythmus zieht sich wie ein dramatischer Nachklang durch den gesamten ersten Satz von Schuberts G-Dur Quartett. (Pressetext)


Die Idee, den Komponisten Franz Schubert einmal im Schuberttheater auftreten zu lassen, ist reizvoll und zauberhaft. Schubert als Puppe -diesmal nicht die ganz breite Breitmaulpuppe - ist faszinierend. Bespielt wird sie von dem jungen Angelo Konzett, der zugleich als Puppenspieler und als Schauspieler in der Rolle des Freundes Moritz von Schwind agiert. Er meistert diese Doppelrolle ausgezeichnet - die Szenen zwischen ihm und Schubert gehören zu den berührendsten des Abends.

Franz Schubert ist außer sich - Beethovens Streichquartett in B-Dur opus 130 hat ihm den Mut geraubt, weiter zu komponieren. Drei Monate wird er schweigen und dann in unglaublicher Geschwindigkeit seine Antwort auf Beethoven geben: Mit dem wuchtigen, sehr dramatischen Streichquartett in G-Dur.


Schubert und Moritz sitzen am Rande der Bühne und hören gebannt der Musik Beethovens zu - einer Musik, die einem "wilden Ritt über den Bodensee" gleicht. Das Epos Quartett sitzt auf dem Podium im Hintergrund der Bühne und spielt auf Teufel komm raus diese fordernde Musik

Schubert weiß, dass er "diesen Berg nicht erobern kann". Das Quartett verlässt die Bühne und Moritz versucht den Freund aufzuheitern. Doch vergeblich - die Notenblätter bleiben leer. Nun wagt die Regie Ungewohntes: Dunkelheit auf der Bühne, minutenlange Stille. Man hört nur das leise Rauschen des Regens. Dann aber - der Höhepunkt des Abends: Schubert beginnt zu komponieren. Diesen Rausch darzustellen, wie die Noten auf die weißen Blätter fliegen, wie Schubert im Schaffensimpetus über die Bühne taumelt, das verlangt Angelo Konzett vollen Einsatz und Konzentration ab. Und der Wahnsinn gelingt: Er reißt das Publikum voll und ganz mit! Danach spielt das Epos Quartett Schuberts Antwort - das Streichquartett in G-Dur.

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