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Felix Mitterer: Zemlinsky. Theater in der Josefstadt. Uraufführung

  • Silvia Matras
  • vor 10 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

M.Vischer (junger Z.) und G. Franzmeier (alter Z.) © Moritz Schell
M.Vischer (junger Z.) und G. Franzmeier (alter Z.) © Moritz Schell

Ein Auftragswerk des Alexander Zemlinsky Fonds aus Anlass des 150. Geburtstages des Komponisten


Regie: Stephanie Mohr. Bühnenbild: Miriam Busch. Kostüme: Nini von Selzam. Musikalische Leitung: Wolfgang Schlögl. Choreographie "Broadway": Kimberly Rydell


Ich weiß, ich wiederhole mich! Aber es kann gar nicht oft genug wiederholt werden: Mit einem so tollen Ensemble, wie das der "Josefstadt", gelingt (fast) alles. Auch dieses Stück! Es verlangt vom Ensemble nicht nur intensives Spiel, sondern auch musikalische Talente, wie Gesang, Instrumentenbeherrschung und rasche Verwandlung von einer Rolle in die andere. Denn einige haben zwei Rollen zu stemmen, wie etwa der famose Schauspieler Joseph Bartl (bekannt als "Lennie" in Mäusen und Menschen). Er spielt den trägen Franz Werfel und gleich auch seine eigene Ehefrau Alma, als sie in den Staaten bereits eine abgetakelte Trinkerin ist - eine Szene, die sichtlich er und das Publikum gleichermaßen genießen!

Stephanie Mohr geht die heikle Aufgabe, dieses schwierige und sperrige Stück, in Szene zu setzen, mit Fingerspitzengefühl und dezenter Figurenführung an. Unterstützt wird sie von dem eindruckvollen Bühnenbild (Miriam Busch): Mehrere Podien steigen bis zum Bühnenhintergrund auf. Das ermöglicht ohne Umbau verschiedene Zeit- und Handlungsebenen. Mag sein, dass in manchen Momenten der Zuseher sich ein wenig überfordert fühlt, wenn sich auf den verschiedenen Podien allzu viel zugleich abspielt.

Felix Mitterer schrieb ein herausforderndes Stück : Geschickt verwob erZemlinskys Leben mit seinen Kompositionen.

Martin Vischer ist der junge, ehrgeizige Zemlinsky mit einem Schuss von Perfidie, wenn er um die schöne Louise Sachsel (bezaubernd Melanie Hackl) buhlt, obwohl er noch verheiratet ist. Den alten, gebrochenen Zemlinsky spielt Günter Franzmeier mit dramatischer Drastik: In New York ist er ein Mann, der in dieser neuen Welt nicht Fuß fassen kann und nach dem Schlaganfall mit verzogenem Mund und verkrüppelten Händen nicht mehr außer Haus gehen und auch nicht komponieren will - ein Bild des Erbarmens! Berührend auch seine vom Schicksal gebeugte und alt gewordene Ehefrau (Martina Ebm). Sie umsorgt ihn bis zu seinem Tod und wird nach dem Krieg die Urne nach Wien bringen lassen, wo er in einem Ehrengrab bestattet wird.

In Wien war der junge Zemlinsky mit den bekannten Künstlern der Zeit verbunden. Leidvoll muss er von Almas Hochzeit mit Gustav Mahler erfahren. Als ihr Kompositionslehrer war er seinerzeit schwer in sie verliebt. Die Gerüchteküche in Wien brodelt ordentlich, als sich Mathilde Schönberg (Schwester Zemlinskys) in den exzentrischen Maler Richard Gerstl (großartig in dieser Rolle Julian Valerio Rehrl) verliebt. Die Liebe endet mit Selbstmord des jungen Malers - eine eindrucksvolle stumme Szene. Markus Kofler agiert als Schönberg in überzeugender Härte und Kälte. Was Wunder, wenn Zemlinsky aus diesem Wiener Sumpf flieht und in Prag und Berlin als Musikdirektor Karriere macht. Geschickt flicht die Regie die von Zemlinsky komponierten Lieder in das Geschehen ein, etwa aus dem "Traumgörg" oder aus dem "Geburtstag der Infantin".

Ein Abend, der melancholisch stimmt, weiß man doch nicht, ob man all diese großartigen Schauspieler in der kommenden Saison wiedersehen wird!









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