Federica Manzon, Alma. Pfaueninsel bei Bastei Lübbe
- Silvia Matras
- vor 11 Minuten
- 1 Min. Lesezeit

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Federica Manzon ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, hat mit ihren Romanen schon jede Menge an Preisen eingeheimst. Ihr jüngster Roman "Alma" wird von den Kritikern hoch gelobt und gefeiert.
Alma wächst inTriest, das im Roman nie namentlich genannt wird, auf. Ihr Vater ist ein geheimnisvoller Grenzgänger "zwischen hüben und drüben" und scheint eine wichtige Rolle unter Tito zu spielen. Alles bleibt im Unklaren - für das Kind Alma und für die Leser. Eines Tages bringt er einen Buben von "drüben" mit, Sein Name ist Vili, aber mehr erfährt Alma nicht. Zwischen Alma und Vili beginnt eine lebenslange Freundschft, die später Liebe wird. Nach dem Tod Titos beginnen "drüben" die Machtkämpfe, und der nun erwachsene Vili verschwindet - genau wie der Vater - für Tage. Warum, erfährt Alma erst ganz am Schluss - die Leser ebenfalls. Bis dahin muss man sich gedulden, Alma von Stadt zu Stadt - einmal ins nichtgenannte Belgrad, dann wieder in den Karst, dann kurz ins nichtgenannte Rom und zuletzt wieder nach Treist folgen.
Der Sinn dieser Nichtnennungen liegt wahrscheinlich darin, die Unklarheiten dieser Zeiten ("Jugoslawienkrieg"), die nicht nur Alma immer wieder unruhig umtreiben, zu verdeutlichen. Aber es verlangt die ganze Geduld des Lesers. Schade, denn die poetische Kraft des Romans leidet darunter. Dass Vili als Fotograf die Gewalttaten dieses Krieges dokumentiert und Alma aus einer nicht weiter erklärten Machtposition vor Verfolgung schützt, ist interessant. Aber wird erst in den letzten Seiten vage angedeutet. Als Leser hat man Mühe, die Personen in Zeiten und Orten zu verankern. Zu sprunghaft und ungewiss ist der Erzählstil.


