Festspiele Reichenau: Arthur Schnitzler: Reigen
- Silvia Matras
- vor 51 Minuten
- 2 Min. Lesezeit

Regie: Alexandra Henkel und Dietmar König
Bühne und Kostüm: Dimitrij Muraschov
Musik: Bernhard Moshammer
Hatte das Stück bei seinen Urauführungen in Wien und Berlin um 1920 noch Skandale und Tumulte evoziert und war es als jüdische Schweineliteratur beschimpft und verboten worden, so regt sich das heutige Publikum über gar nichts mehr auf. Nacktheit und Sexszenen gehören zum Theater wie die Butter aufs Brot.
Umso mehr gefällt eine Inszenierung, die ohne Nackt- und Pornoszenen auskommt, in der Andeutungen, kleine Gesten und Bewegungen einen ganzen Sexualakt imaginieren.
Das Regieduo Henkel-König (in Doppelfunktion auch auf der Bühne ) führt die Schauspieler feinnervig und sensibel durch den bunten Bettenreigen der Wiener Gesellschaft. Dabei erweist es sich als durchaus praktikabel, dass eine Frau und ein Mann gemeinsam Regie führen. So bekommen beide Geschlechter gleichermaßen ihr"Fett weg", wobei die Männer noch mehr als die Frauen an Ansehen und Liebeskompetenz verlieren, weil ihr wichtigstes Instrument nicht immer dienstbereit ist.
Von Liebe sprechen alle, fragen auch immer wieder "liebst du mich", aber die Worte bleiben hohl, ohne Gewicht. Bei Männern wie Frauen. Damit enthebt sich das Regieduo eindeutig moralischer Aussagen, was der Inszenierung absulut guttut.
Lukas Watzl gegen Therese Affolter - ein starker Beginn!! Der Soldat gegen die erfahrene Hure! Ein Schauspiel der Sonderklasse. Ebenso das nachfolgende Duo: Soldat und Stubenmädchen - die Härte und Brutalität gegen das verschüchterte Stubenmädel (Bettina Schwarz) - da wird klar definiert, wer das Sagen hat. Ebenso in der Szene: Junger Herr - Stubenmädchen. Markus Freistätter spielt den jungen Herrn mit allen unsympathischen Fazetten, die so ein Jüngelchen gegenüber einer Untergebenen drauf hatte: Befehlen hieß es, zur Verfügung stehen mussten all diese "Dienstgeschöpfe". Bettina Schwarz als hilflos Ausgelieferte rührt zutiefst. Dann aber die Rache des Schriftstellers und der Regie: Der junge Herr steht in Unterhosen da, angriffsbereit, aber "es funktioniert" nicht. Und so muss ihn die junge Ehefrau - köstlich ironisch und selbstsicher von Alexandra Henkel gespielt, auch noch über sein Versagen trösten.
In diesen Begegnungen konnten junge Schauspieler und Schauspielerinnen ihr Können zeigen - und das taten sie mit voller Tat- Überzeugungs- und Spielkraft. Danach hatten es die "alten Hasen", wie Dietmar König als Ehegatte, Daniel Jesch als Dichter und Stefan Jürgen als Graf nicht leicht. Sie spielten zu verkopft, ihrem Spiel fehlte es an Ironie. und Doppelbödigkeit. Stefanie Dvorak legte sich als "Schauspielerin" gehörig ins Zeug, um den Szenen Schwung zu geben - aber es blieb bei einem achtbaren Rettungsversuch. Ebenso wenig hatten die zwischen den Szenen und am Ende der Aufführung eingefügten Gedichte Schnitzlers eine nennenswerte Wirkung. Da sie vom Team gesungen wurden, verstand man noch dzu kaum den Text.
Ein Abend, der jungen Talenten die Chance gab, ikonische Szenen der Theaterliteratur mit frischem Wind neu zu beleben!


