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Festspiele Reichenau: Die Fledermaus in einer Bearbeitung von Nils Strunk und Lukas Schrenk

  • Silvia Matras
  • 2. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Das Ensemble © Lalo Jodlbauer
Das Ensemble © Lalo Jodlbauer

Regie und Text: Nils Strunk und Lukas Schrenk

Musik: Nils Strunk, Lukas Schrenk & Band und ein Bisserl auch Johann Strauss

Kostüm: Anne Buffetrille und Lara Regula

Bühne: Maximilian Lindner


1926, also genau vor 100 Jahren, wurde in Reichenau das ehemalige Holzschleifwerk zu einem Theater um gebaut.

Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts waren alles andere als "golden". Bitterste Armut, Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite gierige Lebenslust, Großmannsucht, Betrügerein, Spekulation. Deshalb siedelt das Duo Strunk und Schrenk ihre Version der Fledermaus genau in diesen aufgeblähten Milieu der Wiener Gesellschaft an. An Parallelen zur Gegenwart kann, aber muss nicht gedacht werden. Maximilian Lindner entwarf eine Bühne in Schwarzweiß ,zu dieser Zeit passend: Eine Tapete mit Motiven der italienischen Futuristen, die mit dem Faschismus kokettierten. Kostüme und Musik imaginieren die Zeit der Cabarets, der Feste und Séancen in den Palästen der letzten Reichen, Pseudoadeligen und Co.


Nehmen wir einmal den seltenen Fall an, jemand hat noch nie die "Fledermaus" von Johann Strauus gesehen. Dann ist er einer der wenigen Glücklichen, die unvorbelastet diesen Abend genießen können.. Aber - was wird er verstehen? - Eine wilde Orgie von Verrückten rund um einen untreuen Ehemann, der ins Gefängnis muss, vorher aber bei einem russischen Fürsten ein rauschendes Fest erlebt. Dann seine Ehefrau, die auch keine Männerkostverächterin ist und dem Ungetreuen eine Lektion in Sachen Untreue gibt. Ob der Jemand die Intrige inmitten des Gelages, der Sauf- und Schreiorgie wirklich durchschaut?? Wenn ja, was meint er dann vor sich zu haben? - Eine Mischung aus "Cabaret" und Schnitzlers "Traumnovelle", aufgepeppt mit Tango, Bossanova und einigen verqueren Walzern . Dazu wildes Geschrei, Streitigkeiten und am Ende das endlose Gebrabbel und Gestolpere eines Gefängnisaufsehhers .

Und nehmen wir den anderen Fall an: Jemand, der die Fledermaus in x Aufführungen in der Staatsoper erlebte - was sieht der? Der wird sich schwer tun, die Fuzzerln von Straussscher Fledermaus wiederzufinden. Am besten - er vergißt, was nicht mehr zu ändern ist und ist vergnügt. Was an diesem Abend ja auch den meisten gelang. Da machte es einen Heidenspaß, wenn immer wieder über Stufen und Stühle gestolpert wird, wenn Text und Lied nicht immer verständlich waren.


Bei all dem Geschrei und Gepolter übersah man vielleicht einige wirklich gute Schauspielleistungen: Eva Mayer überzeugte mit ihrem hochkomischen Talent in der Figur der Rosalinde. Ihr gelang es, die Doppelbödigkeit einer "treuen Ehefrau" in der ganzen Heuchelei auszuspielen. Raphael van Bargen war ein Eisenstein ohne Glanz des Weiberhelden. Mit Schwächen, Ängsten und Unsicherheiten spielte er einen Eisenstein ohne Heldengebaren. Mit Mut zur finsteren Esoterik, die urkomisch wirkte, spielte Moritz Mausser den russischen Prinzen Orlowsky.

Als Adele schrie und schrillte Julia Edtmeier allzu sehr. Und Sebastian Wendelin durfte als besoffener Gefängniswärter seine Sturzakrobatik bis zum Erbrechen ausleben. Den beiden täte der Rat gut: Weniger ist mehr. Das Publikum amüsierte sich trotz oder gerade deswegen ganz prächtig.

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