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Festspielhaus St. Pölten: Ballett Zürich und das Tonkünstler - Orchester: "Clara".

  • Silvia Matras
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Choreographie und Inszenierung: Cathy Marston.


Musikarrangement unter Verwendung von Musik von Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms: Philip Feeney.


Bühnenbild: Hildegard Bechtler


Kostüm: Bregje von Balen



Die sieben Claras © Carlos Quezeda
Die sieben Claras © Carlos Quezeda

Bekannt für ihre einfühlsame Herangehensweise und erzählerische Kraft, wie etwa in dem biographischen Ballett über Jaqueline du Pré "Cellist", widmet sich

CATHY MARSTON in "Clara" wiederum einer bekannten Figur aus dem Musikleben: Clara Wieck und ihre Ehe mit Robert Schumann erzählen tanzend ihr Leben.

Von der Grundidee ausgehend, dass Clara sich in ihrem Leben sieben Mal neu finden musste, spaltet die Choreographin diese Figur auf 7 verschiene Tänzerinnen auf. Sie seien hier namentlich genannt, obwohl man selbst in den ersten Reihen Mühe hatte, sie voneinander zu unterscheiden, so ähnlich waren sie nicht nur in Outfit, sondern auch im Aussehen - wohl bedingt durch das Make up: Das Wunderkind: Alyssa Pratt, dieKünstlerin: Nehanda Peguillan, die Ehefrau: Nancy Osbaldeston. die Mutter: Sujung Lim, die Pflegerin: Inna Bilash, die Managerin:McKhayla Pettingill, die Muse: Max Richter. All die sieben Rollen musste Clara im Lauf ihres Lebens erfüllen- das Stück endet mit dem Begräbnis von Robert Schumann. Danach begann ja ein neuer Lebensabschnitt für Clara als Konzertpianistin, den Cathy Marston nicht mehr zeigt, denn ihr Fokus liegt auf dem Leben Claras in ihrer Beziehung zu Robert Schumann.

Von links nach rechts: Clara und Rubert Schumann, Mitte ebenso, Clara zwischen Vater und Mutter. Alle Fotos: Carlos Quezeda


In einem von der Idee des Klaviers beeinflussten Bühnenraum mit schmalen, schwarzen Paneelen (Tasten) und einem weißen Klavierdeckel im Hintergrund (Bühne: Hildegard Bechtler) entwickelt sich Bild für Bild das Leben Claras: Als Kind den strengen Erziehungsmethoden des Vaters ( eindrucksvoll: Esteban Berlanga) unterworfen, erlebt sie den andauernden Ehestreit zwischen Vater und Mutter, flüchtet sich als 12-Jährige in die romantische Liebe zu dem um Jahre älteren Robert Schumann - stark im Ausdruck und Einsatz: Karen Azatyan . Er tanzt die Rolle zwischen Lump, Frauenheld, Genie, Herrscher im Haus und am Ende dann als einer von der Krankheit Geschlagener. Immer ist Clara um ihn, auch in den schweren Zeiten der sich anbahnenden Krankheit, beruhigt die 5 Kinder - sie soll ja 8 Kinder geboren haben - , hält sie im Zaum -pst!, der Vater braucht Ruhe zum Komponieren, dann erst recht, als sich die Krankheit manifestiert. Als Helfer in der Not stehen ihr der junge Johannes Brahms (Chandler Dalton) und der Geiger Joseph Joachim (Pablo Octávio) bei. Sie sind es auch, die als einzige Zutritt zu Robert Schumann in der Nervenheilanstalt haben, die er lebendig nicht mehr verlassen wird. Das sind Szenen, die unter die Haut gehen: Robert Schumann in der Behandlung eines Arztes, einsam auf einer weißen Zelle liegend, den Kampf um die geistige Heilung bereits verloren, die letzte Begegnung mit Johannes Brahms. Besonders intensiv sind die pas de deux zwischen Clara und Robert - zwischen Liebe und Kampf, ebenso zwischen Clara und Johannes Brahms, der um ihre Liebe fleht, die sie ihm nicht geben kann, nur Freundschaft. All diese Gefühle zeigt Cathy Marstons Choreographien - ganz kitschbefreit, aber erlebenintensiv!

Da Orchester unter der Leitung von Daniel Capps (in den Keller verbannt) und die Schumann -Pianistin Regina Schirmer machen das Ballett zu einem musikalischen Gesamtereignis.


Die Tanzprache von Cathy Marston fasziniert einerseits durch ihre Zugriffe auf durchaus banale Bewegungen in Alltagssituationen, etwa bei Begrüßungen, Streit zwischen Eheleuten u.a.. Je intensiver das Leben Claras sich gestaltet, desto intensiver werden neue Tanzformen eingesetzt, nähert sich die Choreographin einer körpernahen "Kampfsprache" - Einhandhebungen, Drehungen, bis die Körper fast untrennbar zu einem Knäuel verschmelzen. Das erfordert äußerste Konzentration, die kleinste Abweichung im Timing oder im Griff - und das Bild bricht auseinander. Was nie der Fall war, aber bei dem Zuseher mächtig Spannung und Staunen erzeugt: Gehts noch, werden die Tänzer all diese komplizierten Verrschränkungen unbeschadet über die Bühne bringen, bangt man. Alles klappt, man ist fasziniert vom Anfang bis zum Ende und stellt fest:

Cathy Marston hat sich wieder einmal als großartige Gestalterin eines Handlungsballetts mit Biopic-Hintergrund bewiesen!



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