Wiener Staatsballett: Die Fledermaus.
- Silvia Matras
- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Choreographie und Inszenierung: Roland Petit.
Musik: Johann Strauß Sohn mit zusätzlichen Musikstücken von Johann Strauß Vater und Josef Strauß
Musikalische Leitung: Luciano Di Martino, Bühne: Jean-Michel Wilmotte, Kostüme: Luisa Spinatelli

Slapstick, Stummfilm, Operettenulk, Opernulk, klassisches Ballet auf höchstem Niveau - alles zusammen ergibt einen gelungenen, frisch-fröhlichen Mix. Motto: Bitte nehmen Sie nichts ernst. Amüsieren Sie sich! Das Ensemble jedenfalls hat enormen Spaß. Allen voran Olga Esina, die als betuchlich-unterwürfige Ehefrau Bella demütig die Augen senkt, wenn Ehegespons Johann sich weder um Kinder, noch um die Hauspantoffeln kümmert, im Bett wie ein steifes Brett neben ihr liegt. Herrlich, wie Timor Afshar diesen eitlen, selbstverliebten Gockel tanzt. Doch Hilfe für die hilflose Ehefrau kommt vom "guten Freund" Ulrich - Davide Dato kann in dieser Rolle seine komische Seite mit kraftvollen Soloeinlagen bravourös kombinieren. Was der Choreograph auch den beiden anderen Protagonisten gönnt - sie glänzen in feinen Soli und pas de deux. Wie Roland Petit als gewiefter Choreograph auch jedem Ensemblemitglied solche Bravourauftritte gönnt, zum Beispiel der Tanz der drei Kellner (Gaspare Li Mandri, Kristían Pokorny, Géraud Wielick). Die schmissige Musik, ein Mix aus Walzer, Czardas, Cancan, befeuert die Szene. Die bunten, der Zeit um 1900 und später nachempfundenen Kostüme (Luisa Spinatelli) und ein angedeutetes Bühnenbild, das rasche Wechsel ermöglicht(Jean-Michel Wilmotte), das super motivierte Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Luciano Di Martino sorgen für Hochstimmung auf der Bühne und im Publikum.
Olga Esina, Davide Dato ,Timor Afshar und Céline Yanou Weder, alle Fotos: Ashley Taylor
Dem Schnöselehemann sind inzwischen Fledermausflügel gewachsen und er fliegt aus dem Schalfzimmer direkt in das Etablissement "Maxim`s-. Dort sonnt er sich in der Anbetung aller anwesenden Frauen. Als Bella als schöne Unbekannte, begleitet vom wachsamen Ulrich, das berüchtigte Maxim´s betritt, ist sie die Sensation des Abends. Wer ist die Schöne, fragt sich Johann und versteht seine Männerwelt nicht mehr, denn die Schöne zeigt sich von seinen Avancen unbeeindruckt. In diesen Sequenzen setzen beide voll auf Stummfilmeffekte: Augenrollen, Anmache im Stil der 30er Jahre, als es noch keine Metoo-Bewegung gab, das altekannte Spiel zwischen Anziehung und gespielter Ablehnung - perfekt in Tanz umgesetzt! Eine Paraderolle für Olga Esina!
Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt, aus dem ihn die schöne Unbekannte erlöst und sich als Ehefrau Bellla zu erkennen gibt, sitzt der gezähmte Johann in seinem Lehnsessel und lässt sich widerspruchslos die Filzpantoffel überstülpen. Bonjour tristesse? - Doch nicht so ganz. Im Endbild lässt Roland Petit das Ehepaar in einem imaginierten Festsaal einen Traumwalzer tanzen. Traum oder Wunschwirklicheit?
Begeisterter Applaus für das ganze Ensemble, inklusive Orchester und Dirigent.
Wieso nicht einmal diese Version der Fledermaus zu Silvester??










