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Georg Büchner:Leonce und Lena. Kammerspiele in der Josefstadt

  • Silvia Matras
  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Frei bearbeitet von Torsten Fischer, der auch für die Regie zuständig ist.

Bühnenbild und Kostüme: Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulus



Das Ensemble © Moritz Schell
Das Ensemble © Moritz Schell

Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" - gerüttelt, geschüttelt und zerschüttelt. So könnte man den Abend zusammenfassen.

Welch unseliger Geist hat Torsten Fischer veranlasst, ein eigenes Vorspiel zu schreiben? Warum müssen Leonce und Lena ins Altersheim für Künstler versetzt werden? Und dort dann traurig Rückschau auf ihre schauspielerische Karriere halten, über Altersfalten etc jammern? Sandra Cerviks Abschied von der Josefstadt hätte eine bessere Rolle verdient. Und Michael Dangl mit weißem Rauschebart und zerzaustem Weißkopf wirkt lächerlich.

Hat man dieses "Vorspiel" überstanden, dann kamen die ersten Worte Büchners - zwar nicht immer als solche erkenntlich. aber man ist ja geduldig und tolerant. Figurenüberzeichnung mit lächerlichen Kostümen - ja das passt noch in das Stück - aber leider verliert sich der Zauber total . Georg Büchner war gerade einmal 23 Jahre jung, als er dieses Stück schrieb mit dem ganzen jugendlichen Übermut und einer Freiheit die damals - und ganz sicher auch heute - gefährlich werden kann. Eine ironisch-zauberhfte Überhöhung der Jugend, die sich langweilt, keine politischen oder andere Ziele haben darf, da das Regime ohnehin vertrottelt ist und dagegen nichts zu machen ist..

Leonce und Lena - erste Begegnung. © Moritz Schell
Leonce und Lena - erste Begegnung. © Moritz Schell

Was wirkt, sind die bunten Kostüme. Aber das allein genügt nicht. Denn Michael Dangl glaubt man den jugendlichen Leonce und Sandra Cervik die verträumt-jugendliche Prinzessin nicht. Büchner setzt ganz nach klassischen Normen alle Karten auf den Höhepunkt der zufälligen "Erkennungsszene" - Leonce und Lena wissen voneinander nichts, keine Namen, keine Herkunft. Sie verlieben sich ganz ohne Vorwarnung - ein klassischer coup de foudre. Dieser Moment der Verzauberung findet aber auf der Bühne einfach nicht statt.

Ordentlich bemüht sich Marcus Bluhm als vertrottelter König und Präsident der Rolle gerecht zu werden, wenn auch mit einem Tick zu viel Übertreibung. Dasselbe gilt auch für Tonio Arago, der die schwierige Rolle des Hofnarren Valerio zu meistern hat. Seine verschwurbelten Ratschläge verpuffen irgendwie witzlos. In die Rollen der Gouvernante und Hofmeisterin passt Susanna Wiegand recht gut hinein. Aloshia Biz (Geige)und K. Dobrek (Akkordeon) unterlegen dem Abend einen passenden Hauch von Melancholie.


Schluss: La Mer © Moritz Schell
Schluss: La Mer © Moritz Schell

Schlussbild: Alle singen "La Mer" und wiegen sich mit wedelnden Armen im Wellentakt. Was hat sich Torsten Fischer wohl dabei gedacht?



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