GULLIVERS REISEN
- Silvia Matras
- 11. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Von Nils Strunk und Lukas Schrenk nach dem Roman von Jonathan Swift, basierend auf der Übersetzung aus dem Englishen von Franz Kottenkampf
Regie und Musik: Nils Strunk, der diesmal nicht auf der Bühne steht. Er spielt Klavier und dirigiert. Regiemitarbeit und Songtexte: Lukas Schrenk. Bühne: Maximilian Lindner. Kostüme: Anne Buffetrille und Lara Regula.

Als Jonathan Swift seine bissige Satire "Gullivers Reisen" 1726 anonym erscheinen lässt, hatte er dafür gute Gründe: Seine Kritk an Englands Machtgelüsten, der wilden Kolonialisierung und der Armut im eigenen Lande fällt heftig aus. Swift ging es vor allem darum, die Abgründe des menschlichen Charakters zu zeigen, eingepackt und ein wenig - aber nur ein wenig - verharmlost oder besser: gemildert durch Humor und Übertreibung, Was er keinesfalls mit seinem Roman bezweckte, war eine Umdeutung ins Märchenhafte. Da genau liegt der wunde Punkt der Inszenierung: Um den Abend auch für Kinder (ab 8 Jahren) schmackhaft zu machen - es ist ja bald Weihnachten, also sollte es wohl ein ideales Programm für die ganze Familie werden - bringen Strunk und Schrenk die Geschichte als märchenhaftes Spektakelmusical.. Natürlich auf bestem Unterhaltungsniveau mit super Kostümen, einer perfekten Bühne, prima Darstellern und natürlich perfekten Songs. Ja, alles ist superperfekt, aber es fehlt die Schärfe, die vom Autor intendierte Härte. Zwar wird in einem Song die englische Politik heftig kritisiert, aber das huscht vorbei.
Man erfreut sich an dem Spiel des Ensembles, das durchaus sein Bestes gibt, wenn auch nicht alle "Musicalstimmen" haben, die Kinder krähen vor Vergnügen, wenn Gulliver auf den Palast im Liliputland pisst und so das Feuer löscht. Oder man bestaunt die Schattenriesen an der Bühnenwand. Auch die kitschverdächtige Szene mit den redenden Pferden mag man gerne sehen. Aber leider nicht mehr den Abspann, den Martin Schwab ziemlich moralgetränkt zum Ende vorbringen muss. Kindertheater mit Zeigefingermoral - das ist schon lange passé!


