Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch: Liederabend. Wiener Konzerthaus
- Silvia Matras
- vor 3 Stunden
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Zum 80. Geburtstag von Helmut Deutsch. Aus "Dichterliebe" ( Gedichte aus Heinrich Heines "Buch der Lieder") von Robert Schumann und verschiedene Lieder von Franz Liszt

Es war ein ganz besonderer Abend! Nicht nur, weil Helmuth Deutsch seinen 80er feierte und er wie immer mit eleganter Klarheit und spielerischer Leichtigkeit am Klavier begleitete und manchmal auch führend eingriff, sondern weil auch Jonas Kaufmann (endlich wieder) eine Sternstunde des Gesanges darbot: Seine Stimme war warm, voll , egal im Bariton- oder Tenorbereich. Sein berühmtes Falsett war schmeichelleise, zart und berückend schön.
Robert Schumann nennt die Lieder "Dichterliebe" und will damit andeuten, dass es ihm um den Zauber des Themas "Liebe", weniger um die reale Liebe zu einer Frau - Clara - geht. Das eine ist das Gedicht Heines, das oft von Schmerz und ironischer Überhöhung spricht, das andere ist die Musik Schumanns. Sie bleibt leicht, trivial gesagt "bekömmlich", sie klagt nicht. Klug beginnt Jonas Kaufmann mit den drei "leicht dahinträllernden" Liebesliedern "Im wunderschönen Monat Mai". "Aus meinen Tränen sprießen" und "Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne". Er verbindet sie fast ohne Pause miteinander, windet sozusagen einen musikalischen "Willkommenskranz". Helmut Deutsch folgt dem Tempo, begleitet leichthändig und diskret. Klug steigert Jonas Kaufmann sein Volumen, variiert von einer schönen, warmen Tiefe zu zartem Falsett in dem bekannten Lied "Im Rhein, im heiligen Strome": "Das große, heil´ge Köln" umhüllt er mit seinem wunderen Timbre. Dem Bildnis im Dom bringt er zarte Ehrfurcht entgegen.
Erstes Aufblitzen seiner "Opernstimme" dann im Lied "Ich grolle nicht". Nach erzählendem "Parlando" endet er in tiefer Empfindung für die abtrünnige Geliebte.
Weiter geht die Reise ins Land der Dichter und ihrer Liebe(n). Schnell "erzählt" er von seinen Verwundungen "Und wüßtens die Blumen" und endet mit der heftigen Klage: "Sie hat ja selbst zerrissen , zerrissen mir das Herz". Langsam führt Jonas Kaufmann die Zuhörer weg von Ironie und Erzählung hin in ein Zauberreich des Traumes, Ab dem Lied "Am leuchtenden Sommermorgen" ändert er die Atmosphäre. Wie einer, der mit der magischen Kraft seiner Stimme Düfte, Träume, Bilder von blühenden Gärten hervorrufen kann, lenkt er die Sinne der Zuhörer weg aus dem Konzertsaal hinein in den leuchtenden Sommermorgen, dorthin wo "aus alten Märchen eine weiße Hand hervorwinkt und von einem Zauberland singt". "Ich kenne keinen anderen Sänger, der so viel Freude daran hat, unendlich zart zu singen", sagt Helmuth Deutsch über Jonas Kaufmann (Zitiert aus dem Programmheft S 28). Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber es wäre nicht Heinrich Heine, bliebe die Romantik weiter im Raume schweben - den Abschluss bildet das grausame Ende aller seiner "bösen Lieder", die Heine in einem großen Sarg begraben will. Machtvoller Schluss im gehaltvollen Bariton, gesungen mit der nötigen Prise an Dramatik. Doch wie reagiert das Klavier? - Es rieselt ganz leise nach, der Schmerz über die verlorene Liebe verfließt in den Wellen des Vergessens.
Nach der Pause ändert sich das musikalische Klima um 180 Grad. Franz Liszt tritt auf, dramatisch und selbstsicher. Polemisierend, ironisierend und immer mit der vollen Energie des Dramatikers! "Dass Franz Liszt kein stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche Schlafmützen sein kann, das versteht sich von selbst", sagt Heinrich Heine über Franz Liszt (zitiert aus dem Programmheft S 19).
Zunächst ist noch romantisches Träumen erlaubt, wenn Jonas Kaufmann, zart begleitet von Helmuth Deutsch, drei Sonette, die Petrarca für seine Musenliebe Laura gedichtet hat, singt. Das ist Liebe mit Dramatik, Intensität, und Jonas Kaufmann setzt voll seine stimmliche Bandbreite bis zum warmen, vollen Bariton ein. Doch danach singt: der Operntenor. Es klingt, als hätte Liszt eine Minioper komponiert! Wenn Liszt das herb-traurige Sterben des Königs von Thule vertont und Jonas Kaufmann gemeinsam mit Helmuth Deutsch es vortragen, dann ziehen beide die Register der dramatischen Oper:
Der Pianist wird zum Orchester und der Sänger zum Startenor! Spannung in der Gestaltung und im Klang!
Behaglich und innig gestalten die beiden Künstler "Die drei Zigeuner" und als dringliche Aufforderung : "Oh lieb, solang du lieben kannst". Mit dem tragisch-romantischen Liebestod des armen Fischers, der sich in die schöne Loreley verliebt, endet - vorläufig - dieser berührende und spannende Liederabend.
Blumen, Blumen , Blumen und der begeisterte Applaus, der nach "encore" verlangte, wurde mit drei Zugaben belohnt:
Robert Schumann: "Mondnacht" und "Stille Tränen", Franz Liszt : "Es muss ein Wunderbares sein"

