Killing Carmen, Volksoper
- Silvia Matras
- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Von Nils Strunk, Lukas Schrenk und Gabriel Cazes
Musikalische Leitung: Gabriel Cazes und Nils Strunk
Regie: Nils Strunk und Lukas Schrenk
Ausstattung: Anne Buffetrille und Lara Regula
Ein Heidenspaß, ein Mords -spektakel! Nach anfänglicher ( wahrscheinlich von der Regie gewollter) Verunsicherung stürzt man voll hinein in diesen Spaß! Man kann gar nicht anders, als die Darsteller bewundern - tolle Stimmen und exzellente Schauspielkunst, eine Mischung aus Opernernst, Slapstick, Ulk. Musikalisch genial gemischt von Strunk und seiner Band: ein bisserl Musical, ein bisserl Pop, ein bisserl Oper - alles mit Verve und mitreißendem Rhythmus.
Die Geschichte Carmens wird von hinten aufgerollt: Don José ist für den Mord an Carmen zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden und soll am Tag der Freilassung hingerichtet werden. Die in der Geschichte Involvierten, wie Micaela und Morales erinnern sich, wie alles angefangen hat - damals als Don José sich in Carmen verliebte...
Was nun folgt, ist zwar die Geschichte wie in der Oper, aber dank des ironischen Drives, den Strunk und Schrenk den Figuren verpassen, sind diese ohne die gewohnte Operntragik auf ihre menschlichen Schwächen und ihre iihnen innewohnende Komik umgepolt. So ist Carmen (Katja Leloux) ein raumgreifende Person mit ebenso raumfüllender Stimme -sie fegt den schmächtigen Don José (Anton Zetterholm) fast von der Bühne. Aber - fehlgedacht: Don José kann auch ganz mächtig aufdrehen, sein Tenor hat erstaunliches Volumen. Die beiden wirken wie ein Paar aus einer Slapstickkomödie - der Schmächtige und die Mächtige! Dass beide über die nötige Komik verfügen, macht die Sache doppelbödig und perfekt.
Stimmlich und darstellerisch toll besetzt ist auch die Rolle der Micaela mit Julia Edtmeier. Aus dem schüchtern romantischen Mädchen vom Land ist eine fordernde, klarsichtig-ironische Frau geworden, die dem unschlüssigen Don José ordentlich zusetzt. In der Doppelrolle als Doncairo beeindruckt sie mit düsterer Männlickeit. Ihr Stimmpotential reicht über Musical, Oper bis zur Operette! Wie lächerlich Heldentum und Heldenverehrung sein kann, demonstriert Stefan Cerny als siegessicherer Escamillo. Florian Carove darf den Clown des Abends abgeben: Er ist der Oberst, der immer und überall das Nachsehen hat, slapstickartig steigt er immer wieder ins eigene Fettnäpfchen.
Stirbt Don José am Ende wirklich? So hundertprozentig sicher ist das nicht. Einer ruft trocken aus: "Jetzt ist er tot", aber die Musik stimmt ein heiteres Tralalala an - wer weiß schon so genau, wie Strunk es mit diesem Tod meint.
Extra möge die Band hervorgehoben werden. Sie spielt mit unermüdlicher Heftigkeit, haut rein, was geht, ohne je unerträglich "laut" zu werden. Strunk und Co beweisen, wie aus Oper ganz leicht eine Operette oder ein Musical oder alles zusammen werden kann.
Dram, Percussio, Bass, Gitarre: Jörg Mikula
Harmonika und Gesang: Bernhard Moshammer
Gitarre, Cello, Gesang:Hans Wagner
Cello, Gesang :Rina Kocinari
Trompete: Dominik Fuss


