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Lorenzo Viotti, Wiener Symphoniker: Bach und Schostakowitsch. Wiener Konzerthaus

  • Silvia Matras
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Lorenzo Viotti, ©  Jan Willem Kaldenbach
Lorenzo Viotti, © Jan Willem Kaldenbach


Ein ungewöhnlicher Abend mit ungewöhnlicher Programmzusammenstellung: Lorenzo Viotti beginnt mit Johann Sebastian Bachs Chaconne (Partita Nr. 2 d-moll, 1720) und zwar in der Bearbeitung für Orchester von Hideo Saito und ohne Pause darauf Schostakowitsch' 7. Symphonie.


Lorenzo Viotti ist seit 2021 Chefdirigent des Nederlands Philharmonisch Orkest und Generalmusikdirektor der Nationale Opera in Amsterdam. Seine Karriere begann 2015 in Salzburg, wo er unter anderem den "Young Conductors Award" gewann. Seither ging es mit seiner Karriere steil bergauf und er gilt heute als einer der gefragtesten Dirigenten seiner Generation.

Als Verehrer der Musik Bachs begann er dieses Konzert mit der Chaconne, die er mit voller Orchesterbesetzung zu unerwarteter Klang- und Erlebnisfülle brachte. Lange hielt man das für Violine komponierte Werk für eine Art pädagogische Übungsmusik. Verschiedenste Bearbeitungen brachten keinen richtigen Durchbruch. Nun also wagte sich Viotti an die Orchesterbearbeitung von Hideo Saito aus 1992 und bringt die ganze Intensität, die in diesem Werk verborgen liegt, zum Blühen. Verblüfft hört man einen "modern klingenden" Bach, und genießt das schnörkellose Dirigat Viottis.


Danach geschieht ganz Ungewöhnliches: Viotti breitet die Arme aus, verharrt einige Minuten lang unbeweglich und beginnt mit Schostakowitsch `7. Symphonie.

Die Entstehungsgeschichte dieser Symphonie ist spannend und tragisch zugleich: Schostakowitsch begann die Komposition , als Leningrad unter der Belagerung der Deutschen litt. Selbst im ärgsten Bombardement suchte er nicht die Schutzräume auf, sondern komponierte weiter, bis er dann im Dezember 1941 mit seiner Familie in den Ural fliehen musste, wo er das Werk zu Ende komponierte. Die Aufführungen in Moskau und später in Leningrad brachten ihm viel Ruhm und Ehre ein, machten ihn zum "bedeutendsten Komponisten" Russlands.

Aufwühlend, dramatisch, nie aber nach äußeren, billigen Effekten haschend dirigierte Lorenzo Viotti diese hoch emotionale Musilk: Zwschen heftiger Marschmusik und feinen Flötentönen,, unterlegt von zarten Streichern und leise dahinklopfenden Celli führte Viotti die Symphoniker zu einer intensiven Hochform.

Mit langem Applaus bedankte sich das Publikum beim Orchester und dem Dirigenten.


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