Kultursommer Semmering - ein Tag mit Andrea Eckert (21. August 2026)
- Silvia Matras
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Künstlergespräch: Andrea Eckert und Florian Krumpöck im Sporthotel am Semmering
170 Mal spielte Andrea Eckert die Rolle der Callas in dem Stück "Meisterklasse" von Terence McNally. "Und jede Vorstellung ist ein Kampf", erzählt Andrea Eckert. "Ich übernahm die Rolle, weil sie sehr viel mit mir selbst zu tun hat". Dieselbe Unbedingtheit der Kunst, der Auffassung von Rolle und der Hingabe an die Rolle gegenüber findet sie bei Callas und in sich selbst. "Unbedingtheit" hat sie als Grundlage ihrer Arbeit als Schauspielerin von Dortothea Neff gelernt. Die von ihr verehrte Lehrerin war sich im Leben wie auf der Bühne immer selbst treu. In der Zeit des Naziregimes, so erzählt Andrea Eckert, versteckte sie unter Lebensgefahr in ihrer Wohnung eine jüdische Freundin.
Die Wahrhaftigkeit in einer Rolle bringt auch große Einsamkeit mit sich. Wenn man so performt, wie die Callas, dann sei das wie eine Sucht, aus der man nur schwer wieder herausfinde, aber, so erzählt Andra Eckert, in ihr gäbe es eine "golden box", aus der sie Erlebnisse, Erinnerungen abrufen könne, die ihr in die Rolle, aber am Ende der Vorstellung auch aus der Rolle helfen. "Hätte ich diese Kraft nicht, käme diese herausfordernde Rolle einer Art "Selbstverbrennung" gleich."
Ob Film und Fernsehen für Andrea Eckert gleich wie Theater gelten, fragt Intendant Florian Krumpöck. Die Antwort ist diplomatisch, aber eindeutig - ihr Herz gehört dem Theater. Doch sie habe eine Vorliebe für Dokumentarfilme, gesteht sie. Im Moment bereite sie eine Doku über Emmy Werner vor, die das Volkstheater von 1988 bis 2005 leitete.
Und dann gäbe es ja noch die Chansons von Lotte Lenya oder Greta Keller, die sie mit Erfolg auf die Bühne bringt. Zum 100. Geburtstag (2027) werde sie die "Meisterklassse" sogar im Volkstheater spielen!!
"Ja, das Theater lässt mich nicht verkommen!" Mit diesem optimistischen Ausruf eilt Andrea Eckert hinauf zum Panhans, wo sie in wenigen Stunden in die schwierige Rolle der Callas schlüpfen wird.

Andrea Eckert: "Meisterklasse" von Terence McNelly.
Maria Callas: Andrea Eckert
La Somnambula: Claudia Camie
Lady Macbeth: Teresa Gardner
Cavaradossi: Pablo Cameselles
Pianist: Daniel Grosse - Boymannn
Bühnenarbeiter: Oliver Mülich
Callas wendet sich direkt ans Publikum: " Auftreten und Auftreten, sind zweierlei. Wer keine Präsenz hat, der wird auch nicht gesehen und gehört...So oder so ähnlich erklärt Callas dem Publikum und den drei Schülern einige Grundsätze, was eine Persönlichkeit ausmacht. Ganz besoders "zerrupft" sie die arme Somnambula (Claudia Camie), die von Bühnenpräsenz null Ahnung hat. Der Lady Macbeth (Teresa Gardner) geht es um kein Haar besser. Und schon hat Callas dem Publikum und den erbarmungswürdigen Schülerinnen und dem selbstbewussten Schüler (Pablo Cameselles) eine Lektion verpasst. "Das heißt "auftreten!" - sie wird bald deutlicher, schminkt sich, verschmiert Lippenstift und Kajal - und vor dem gebannten Publikum wird sie zur leidenden Callas, kämpft mit Onassis um Liebe und Anerkennung, leidet um ihr ungeborenes Kind.
In diesen intensiven Theatermomenten gelingt Andrea Eckert die totale Wandlung in die "Diva assoluta" und in die Einsame, die Verlassene. Umrauscht von der Stimme der "Göttlichen" versinkt sie in Erinnerungen - doch am Ende hat sie auch Lob für ihre drei Schüler und Schülerinnen, die in den Rollen der von ihr Gequälten sich sehr gut schlagen! Müssen sie doch das Schwierigste vom Schwierigen auf dem Theater spielen: Unbedarfte, Unbegabte, die dann doch durch die harte Schule der Callas am Ende gute Leistungen erbringen und von der Callas sogar gelobt werden. Die Callas konnte auch nett sein?? Das ist neu!


