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Leila Slimani: "Trag das Feuer weiter" , (Luchterhandverlag): Lesung mit Musik im Wiener Konzerthaus

  • Silvia Matras
  • 20. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

©Luchterhand-Literaturverlag
©Luchterhand-Literaturverlag

Musik: Basma Jabr (Gesang) und Orwa Saleh (Ud). Lesung in deutscher Sprache: Lilith Häßle. Interview in englischer Sprache: Katja Gasser


Mit Saphia Azzedine, Tahar Ben Jelloun bildet Leila Slimani das literarische Dreigestirn aus Marokko. Alle drei sind in Marokko geboren und sind in jungen Jahren nach Paris gegangen. Dem Bruch oder besser der Frage nach den Wurzeln, der eigentlichen Idendität spürt Leila Slimani von den Dreien wohl am intensivsten nach. In ihrer Trilogie "Das Land der Anderen", "Schaut , wie wir tanzen" und "Trag das Feuer weiter" erzählt sie in Romanform die Geschichte ihrer Familie. Während die Großeltern Mathilde und Amine noch in der Tradition ihre Verankerung suchen, ist schon die nächste Generation mehr auf Tanz und westliche Lebensform eingestellt.

Im dritten Band "Trag das Feuer weiter" (Übersetzung aus dem marokkanischen Französisch: Amelie Thoma) erzählt sie die Geschichte der dritten Generation mit Rückblicken und Einschüben bis zurück in die 50er und 60er Jahre. Mia und Inès sind Kinder der Generation, die in westlichen Traditionen aufwachsen: Sie besuchen die französische Schule, tragen westliche Kleidung, lesen internationale Literatur. Immer unterstützt von den Eltern - die Mutter Gynäkoligin, der Vater ein erfolgreicher Direktor einer Bank. Dass Paris die totale Befreiung von allen Bindungen und Traditionen bedeutet, glauben Mia und Inès so lange, bis alles zusammenbricht: Mia erleidet kurzfristig einen durch Stress bedingten Gedächtnisverlust, sie kehrt nach Marokko zurück,genauer auf das Landgut ihrer Großeltern. Dort wird sie von der Vergangenheit eingeholt und Erinnerungen steigen auf.

Die Vielschichtigkeit und den thematischen Facettenreichtum des Romans in wenigen Sätzen zusammenfassen, ist schier unmöglich. Aber während der Lektüre kommen alle Bilder zurück, die man selbst in zahlreichen Reisen durch Marokko gesammelt hat und die im Gedächtnis geblieben sind: Das Aufklaffen zwischen der armen Bevölkerung, besonders der Berber, und der französisch sprechenden Schicht, das mondäne Leben in Casablanca, die Zerstörung oder wenn man es modisch ausdrücken will . die imperiale Übernahme von Traditionen wie Musik oder Bildende Kunst (besonders spürbar in Essaouira) durch westlich überbordende Einflüsse.

Leila Slimani ©Francesca Mantovani/Editions Gllimard
Leila Slimani ©Francesca Mantovani/Editions Gllimard

Nun also ist Leila Slimani in Wien. Der Beriosaal im Konzerthaus ist brechend voll. Fast alles Frauen. Basma Jabr singt, von Orwa Saleh auf der Ud temperamentvoll begleitet, vertonte Sufi-Gedichte. So steht es im Programm - kaum jemand wird den Text verstehen - macht nichts, es klingt sehr orientalisch, verführerisch schön. Dann beginnt Katja Gasser, Leiterin des Literaturressorts im ORF, das Gespräch (auf Englisch) mit Leila Slimani. Sie fragt sie nach Begriffen wie Freiheit, Humor, Schreiben als Aufgabe und natürlich auch nach den verschiedenen Idenditäten, die jemand in sich trägt, der seine Heimat verlässt. Immer mit kurzen Referenzen auf den Roman. Und Slimani beantwortet alle Fragen klug, ausführlich. Aber in dieser Metaebene - wie das so schön im Fachjargon heißt - bleibt das blutvolle Leben, wie es die Autorin im Roman beschreibt, auf der Strecke. Wären da nicht drei Ausschnitte aus dem Roman, von Lilith Häßle temperamentvoll gelesen! Da bekommen die Zuhörer in etwa ein Gefühl für die Bildgewalt, mit der Slimani die Personen charakterisiert und durch sie die Probleme. aber auch die glutvolle Lebensfreude transparent und nachvollziehbar macht.

Mehr Gespräch über den Roman und die autobiographischen Bezüge würde sich vieleicht so manche im Publikum gewünscht haben.

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