Oslo Philharmonic: Tschaikowsky und Schostakowitsch, Dirigent: Klaus Mäkelä. Wiener Konzerthaus
- Silvia Matras
- 25. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Peter Iljitsch Tschaikowsky: Konzert für Violine und Orchester, D-Dur opus 35. Violine: Lisa Batiashvili
Draußen bleibt die Welt mit all ihren Verwerfungen, Krieggeschrei und Katastrophenmeldungen.. Lisa Batiashvili streicht die ersten Töne, und wie weggewischt sind schwere Gedanken, Sorgen und Probleme. Das vermag diese großartige Geigerin mit wenigen Strichen, und Tschaikowsky mit dieser wunderbaren Musik.. So mancher Purist oder sagen wir besser überkluger Kritiker hat diesem Werk allzu große Gefälligkeit und Popularitätshascherei vorgeworfen. Doch wer sich auf die Intensität dieser Musik einmal einlässt, der wird von ihr mitgenommen. "Musik ist keine Illusion, sie ist Offenbarung. Und darin liegt ihre sieghafte Kraft, dass sie uns eine Schönheit offenbart, die uns in keiner anderen Sphäre zugänglich ist und uns mit dem Leben versöhnt", bestätigt Tschaikowsky, was an diesem Abend wieder einmal erfahrbar war. (Zitiert aus dem Programmheft S7)
Die Geige hat die Führung. Batiashvili spielt mit Zartheit und Leidenschaft ,und Mäkelä dirigiert das Orchester sehr subtil, breitet einen intensiven, aber nie aufdringlichen Klangteppich unter die Geigentöne. Nach dem lyrischen Beginn treibt er die Solistin und das Orchester in einen gezügelten Aufruhr, dazwischn gönnt er dem Orchester kurzfristigen Triumph. Der erste Satz endet in einem intnensiven Zusammenspiel zwischen Orchester und Geige. Die folgende "Canzonetta" ist die pure Verführung durch Musik und geht in einen temperamentvollen 3. Satz, dem Rondo, über. Tänzerisch, voller Kraft und Temperament triumphiert Tschaikowsky mit diesem Finale über seine Kritiker.
Für den begeisterten Applaus bedankt sich Lisa Batiashvili mit der zart-verspielten Romanze "Sareterjentens sondag" von Ole Bornemann Bull.
Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr.8 c-Moll opus 65
1943: Die Rote Armee hatte die verheerende Schlacht von Stalingrad gewonnen. Schostakowitsch komponierte die 7. Symphonie unter diesem Eindruck, nicht als billiges Propagandagehabe, sondern als Triumph über Krieg und Vernichtung. Stalin hatte sich mehr Patriotismus und Parteibegeisterung erwartet. Hört man die Symphonie heute, so wie sie Mäkelän und das Oslo-Orchester spielen, vermittelt sie den Kampf gegen eine vergangene, noch immer schwelende dunkle Vergangenheit, die bezwungen wird. Zu Beginn - heftiger Aufruhr, den Mäkelä gekonnt in Beruhigung, ins Helle überleitet. Harte Rhythmen folgen auf zarte Soli, Romantik auf Donnerschläge. Die Spannung bleibt groß. Wie Mäkelä die feinsten Nuancen und Gegensätze herausarbeitet und klare Konturen setzt, das zeichnet ihn und das Orchester ganz besonders aus.

