Wiener Symphoniker, Dirigent: Alexander Soddy, Violine: Augustin Hadelich. Wiener Musikverein
- Silvia Matras
- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aus dem Zyklus: Die große Symphonie, 4. Konzert
Richard Wagner: Vorspiel zu "Tristan und Isolde" und "Isoldes Liebestod"
Kann es stimmen, dass Künstler, die nie wirklich von der Kraft der Liebe mitgerissen wurden, die intensivste Musik komponieren und die innigsten Gedichte und Geschichten über dieses wohl wichtigste Thema im Leben eines Menschen schreiben? Glaubt man Richard Wagner, der 1854 an Liszt schrieb: "Da ich nun aber doch im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genosssen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen (zitiert aus dem Programmheft S 5) ", so muss es wohl so sein. Denn Wagner füllt die Musik mit der Sehnsucht Tristans an, sie geht vor allem deswegen so zu Herzen, weil das Publikum um die Wahnhaftigkeit und Uneinlösbarkeit weiß.
Alexander Soddy dirigiert ausgewogen, mit großer Klarheit, lässt keine verschwommenen Übergänge zu. Pathosbefreit und gerade deshalb verführerisch schön spielen Streicher, Harfe und Holzbläser den Liebestod Isoldes.
Sergej Prokofjew: Konzert für Violine und Orchester Nr.2, g-Moll opus 63
Augustin Hadelich, längst schon international gefeierter Geiger, gab diesem Violinkonzert die ihm innewohnende Gefühlsintensität. Unterstützt von Alexander Soddy, der das Orchester behutsam dem Solisten unterordnet, lässt Augustin Hadelich der Romantik vollen Raum.
Prokofjew, in Russlang geboren, in Europa und Amerika gefeiert, nach Russland zurückgekehrt, litt unter Stalins Bedrohungen und zog sich gegen Ende seines Lebens von der öffentlichen Bühne zurück.
Als Prokofjew 1934 dieses Violinkonzert zu komponieren begann, war er von den drohenden Schatten noch unberührt.
Weich, fast zärtlich spielt Hadelich das Anfangshauptthema. Mit sicherem Strich führt er, und das Orchester folgt ihm. Bei den Soli lässt Alexander Soddy aus Respekt vor dem Geiger den Dirigentenstab sinken und hört in Andacht versunken zu. Die Geige klingt hell, steigt auf , dann fallen die Streicher ein, fast tänzelnd endet der 1. Satz. Feierlich, im tiefen Sehnen à la Schumann setzt der 2. Satz ein, Soddy dirigiert das Orchester präzise, leise "tröpfeln" die Streicher, Augustin Hadelichs Spiel bleibt immer führend, Er spielt sich in die Seelen des Publikums, kein Husten, kein Rascheln, man hat den Eindruck, alle halten den Atem an. Im 3. Satz spielt Hadelich voll auf ! Flott, fast gestampft, führt er das Orchester in einen Aufruhr und in die atemlose Spannung des Finales.
Großer Jubel für Orchester, Dirigent, aber vor allem für Hadelich. Der mit einer flotten, verspielten Zugabe dem Publikum für den Applaus dankt.
Edward Elgar: Enigma Variationen, opus 36
Die Liste namhafter englischer Komponisten bleibt nach Henry Purcell (1659 - 1695) für 200 Jahre leer. Erst mit Edward Elgar (1857 - 1934) taucht ein interessanter und sehr eigenwilliger Komponist auf dem internationalen Musikparkett auf. Eigenwillig deshalb, weil er mit seinen Werken richtiggehend geizte. Bis zur Uraufführung der "Enigma Variationen" war er der internationalen Aufmerksamkeit entgangen. Trotz des großen Erfolges und so mancher Ehrungen zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, um sich auf das Komponieren zu konzentrieren.
"Enigma" sind vierzehn unterhaltsame, kurze Stücke, die verschiedenen Personen aus dem Bekannten- und Familienkreis des Komponisten gewidmet sind. An einigen musikalischen Auffälligkeiten sollte das Publikum den Namen der Person erraten, daher der Name "Rätsel". Es folgen durchaus unterhaltsame Stücke, von den Symphonikern mit viel Freude akzentuiert gespielt und von Alexander Soddy mit lebendiger Dynamik dirigiert. Im ersten Rätsel charakterisiert Elgar mit feinen, lyrisch gut austarierten Sequenzen seine Frau als liebevolle Person, während er in der 14. Variation sich selbst als romantisch veranlagten, aber sehr energisch-schwungvollen (Ehe)Mann auftreten lässt. Ein musikalisches Selbstporträt, über das sicher einige im Publikum schmunzeln.


