Manon, Ballett in drei Akten. Staatsoper Wien
- Silvia Matras
- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Choreografie und Inszenierung: Kenneth MacMillan
Musik: Jules Massenet
Musikalische Leitung: Ermanno Florio
Bühne und Kostüme: Peter Farmer
MacMillan gilt als einer der ganz großen Meister des Handlungsballetts des 20. Jahrhunderts. Mit "Manon" (Uraufführung 1992) gelang ihm eine weitere glanzvolle Choreografie.
Statt der Opernmusik von Jules Massenet wählte er einzelne kurze Stücke des Komponisten, abgstimmt und passend zur Handlung, die er aus der Oper ziemlich genau übernahm: Die Geschichte ist einfach und in der Welt schon unzählige Male passiert: Manon, ein armes, schönes Mädchen, wird von vielen Männern begehrt. Doch sie weist die Anträge der alten,, reichen Lebemänner zurück, da sie sich in den jungen Des Crieux verliebt hat. Die Liebesidylle dauert nur kurz an, schon folgt sie dem verführerischen Glanz des Geldes und Goldes. Doch Des Grieux gewinnt sie wieder für sich. Manon muss aber wegen Diebstahl ins Gefängnis. Des Grieux folgt ihr ins Exil, wo sie in seinen Armen stirbt.
Aus diesem Stoff kreiert MacMillan ein sozialkritisches Porträt der Zeit: Männer machen "Jagd" auf Frauen, wer mehr Geld hat, kauft sich die Hübschesten und Jüngsten. Aus Scham und Angst vor der Armut lässt sich Manon von dem alten Lebemann kaufen, als perfider Vermittler wirkt ihr Cousin Lescaut. Hart und durchaus deutlich setzt McMillan die Choreografie:Vom ersten Moment der Inszenierung macht er klar :Die Männer bestimmen über das Schicksal der Frauen, wählen aus oder weisen deren Angebote ab.

Als Manon aus der Kutsche steigt, gieren alle Männer nach ihr. Der clevere Cousin Lescaut (großartig und temperamentvoll getanzt von Rinaldo Venuti, Rollendebüt) weiß das auszunützen und möchte sie an den Alten vermitteln. Was vorerst nicht funktioniert, da Manon mit Des Crieux verschwindet. Am Ende wird sie als Gefangene der schaulustigen Menge vorgeführt, auch da noch greifen die geifernden Männer nach ihr, der Aufseher nutzt seine Macht schamlos aus und vergewaltigt sie. Das sind starke Momente der Inszenierung.
Was neben diesen kritischen Elementen fasziniert ist die Qualität der Tänzer und Tänzerinnen. Vor allem die beiden Liebenden überzeugen und begeistern: Alice Mc Arthur und Antonio Casalinho ( ihn konnte man schon als Herzog in "Giselle" bewundern) geben hier ihr Rollendebüt. Sie tanzen ihre pas de deux mit derartiger Eleganz, Kraft und in der Liebeszene mit sich steigerndem Furor, dass einem der Atem stockt. McMillan fordert in diesem Tanz von den beiden alles ab: Leidenschaft und Ekstase der Liebe. Ein pas de deux, in dem beide auch schauspielerisch überzeugen: Sie sind zwei junge Liebende, die in diesem Tanz alles um sie herum vergessen. Eine gegensätzliche Choreografie, ebenso stark im Ausdruck, komponierte MacMillan für die Sterbeszene: Manon ist schwach, fast leblso und schlaff liegt sie in den Armen von Des Grieux. Er, als überzeugender Liebender, stützt sie, haucht ihr im Tanz noch einmal kurz Leben ein.
Was an dieser Inszenierung -wie schon in "Giselle" - begeistert, ist die Tanzfreude und Kraft der jungen Tänzer und Tänzerinnen: Sie bringen hohe körperliche Leistungen gepaart mit intensiven Ausdrucksmitteln mit. Dass sie die Choreografie bis ins Letzte beherrschen, ist selbstverständlich. Den Charakter der Rolle darzustellen ist allen ebenso wchtig, vielleicht noch wichtiger.
Ermanno Florio dirigierte die wundervolle Musik mit dem richtigen Atem für die Tänzer. Dafür erntet er am Ende ebenso viel Applaus wie die Protagonisten. Das Publikum dankte mit besonders intensivem Applaus und Begeisterungsrufen dem ganzen Ensemble, besonders aber Alice McArthur, Antonio Casalinho und Rinaldo Venuti.


