Wiener Staatsballett: Gala 2026, gewidmet Sir Frederick Ashton
- Silvia Matras
- 30. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Ballettdirektorin Alessandra Ferri beschloss, die alljährliche Ballettgala nicht wie üblich Nurejew, sondern Sir Frederic Asthon zu widmen. Musikalische Leitung: David Coleman
Frederic Asthon (1904-1988) gilt als Poet unter den Choreographen des 20. Jahrhunderts. Er schuf die berühmte Londoner Compagnie und leitete von 1942 - 1979 das Royal Ballett.
Die Ballettgala gab einen Einblick in sein Schaffen und zeigte auch seinen Einfluss auf Choreografen wie Christopher Wheeldon, Michel Fokine und George Balanchine auf.
Eröffnet wurde mit Asthons Choreografie "rhapsody" (Musik Sergej Rachmaninow) . Die eher konservativ wirkende Choreographie erhält ihren Charme durch die überragende Leistung des Paares Cassandra Trenary und Antonio Casalinho, sowie durch die Soli von Chiara Uderzo und Arne Vandervelde.
Flott und durchaus zeitgeistig dann die Choreographie "within the golden hour" von Christopher Wheeldon. Die mitreißende Musik von Enzio Bosso und Antonio Vivaldi ist wie gemacht für die spannenden pas de deux von Elena Bottaro und Masayu Kimoto,
Sinthia Liz und Victor Caixeta, Madison Young- Alessandro Frola. Wenn die Violine (Volkhard Staud) erklingt, dann meint man getanzte Bilder zu erleben. Visionär, phantastisch. Voller Aapplaus für die Solisten, das Ensemble und den Choreographen, der sichtlich froh den Applaus entgegennahm.
Ein absoluter Höhepunkt war "der sterbende schwan" - Choreographie Michel Fokine, Musik Camille Saint Saens. Ketevan Papava verinnerlichte diese ans Herz gehende Choreographie mit ihrem ganzen Körper und ihrer großen Erfahrung. Langer, intensiver Applaus.
Einn ebenso intensives Erlebnis war die Performance von Alessandro Frola in "dance of the blessed spirits" : Orpheus - in tiefer Verwundbarkeit auf der Suche nach Eurydike. (Musik Willibald Gluck). Ashtons Choreographie greift tief in die Seele des Trauernden. Jede Bewegung, jeder Muskel Frolas dückt den Verlust und seine Verletzlichkeit aus, Eine großartige Leistung!
Dann der mit Spannung erwarteter Part des Abends: Der pas de deux aus "le corsaire". Musik: Ricardo Drigo, Choreographie nach Alexander Tschekrygin
Perfekt und beeindruckend waren der Spitzentanz und die Pirouetten von Ludmilla Konovalova. Besonders neugierig war man auf den der Opéra de Paris ausgeborgten "Etoile des Ballet de l`Opéra de Paris": Paul Marque. Er ließ nicht Nurejew "vergessen", sondern war ein Tänzer ganz anderer Natur: Nervig, feinsinnig und doch kraftvoll. Aber die Kraft stand bei seinen Sprüngen nicht im Vordergrund. Seine Soli waren der Triumph des Menschen über die Schwerkraft. Wird er bleiben oder kehrt er zurück nach Paris?
Den Abschluss bildete das Ballett "diamonds" in der überirdisch schönen und feinsinnigen Choreographie von George Balanchine nach der Musik von Tschaikowski. Als Krönung des Abends überzeugte wieder einmal mehr Olga Esina, was seelische Momente im Ballett bedeuten. Ein Gleichtakt von Bewegung und Stille. Ihre extrem langsam ausgeführten Hebefiguren (Partner Victor Caixeta), ihr intensives Innehalten im entscheidenden Moment - das ist höchste Tanzkunst!
Post scriptum: Nach der Gala erhielten die vier Halbsolist*innen Natalia Butchko, Alessandro Cavallo, Duccio Tariello und Rinaldo Venuti ein Avancement zur/m Solotänzer*in. Die Corps de Ballet Tänzerin Chiara Uderzo wurde zur Halbsolistin ernannt.


