Marcos Morau, Opera Ballet Vlaanderen: Romeo und Julia.
- Silvia Matras
- vor 6 Stunden
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Musik: Sergej Prokofjew: Romeo und Julia
Tonkünstler Orchester Niederösterreich. Dirigent: Gavin Sutherland
Bühne: Max Glaenzel
Kostüme: Silvia Delagneau
Licht: Bernard Jansà
Marcos Morau gilt als einer der führenden Choreographen der Gegenwart und ist in St. Pölten kein Unbekannter. Zuletzt begeisterte er mit dem bildreichen Ballett "Afanador", Bilder des Fotografen Ruben Afanador zitierend.
Nun lockte er zahlreiches Publikum mit dem verheißungsvollen Titel "Romeo und Julia" ins Festspielhaus. Es kamen viele, einige verließen den Saal noch während der Aufführung. Mag sein, dass sie auf ein Handlungsballett gehofft hatten. Doch Marcos Morau hatte alles andere im Sinn - nur kein klassisches Ballett. Zwar verwendete er die Ballettmusik Prokofjews (live gespielt von den Tonkünstlern und temperamentvoll dirigiert von Gavin Sutherland), aber es gibt kein Liebespaar, und nach den anderen Figuren Shakespeares sucht man ebenso vergeblich. Dazu Marcos Morau:
"Wir möchten das Publikum in ein ganz anderes Universum entführen. In unserer Version wird die Liebesgeschichte weniger im Vordergrund stehen (Anmerkung der Referentin: es gibt sie gar nicht), dafür umso mehr die Gewalt, die sich sowohl bei Shakespeare als auch bei Prokofjew wiederfindet." (Zitat aus dem Programmheft)
Auf einer dunklen Bühne wälzt sich eine Masse in schwarzen langen Röcken, bestickten Wämsen, togaartigen Gewändern. Langsam senkt sich eine kreisrunde Kuppel herab, ein gotisches Bogenfenster zitiert Mittelalter. Morau ist als Choreograf der Massen bekannt: Es gibt kaum Einzelfiguren, wenn hie und da eine aus der Masse herausfällt, wird sie gewaltsam zurückgerissen oder zu Boden getrampelt.
In der Düsternis gibt es kein Erbarmen, wer der Stärkere ist, herrscht, bis der Nächste ihn zu Boden ringt. Gewalt regiert die Welt. Es gibt kein Entrinnen, keine Hoffnung. Kampf auf Du und Du. Kampf jeder gegen jeden. Manchmal fallen die Tänzer brüllend und ächzend übereinander her, verbiegen dem Gegner den Kopf, der wiederum geht mit verdrehtem Körper zu Boden. Das Gesamtbild erinnert an ehemalige Psychiatrien, wo die Eingesperrten vergeblich aufbrüllen, sich aufbäumen, ohne Hoffnung zu entkommen.
Opera Ballet Vlaanderen/ © Denny Willems
Zugegeben: Die Bilder, die Morau schafft, sind gewaltig. Aber nach einer gefühlten Stunde sind erst dreißig Minuten vergangen, und man beginnt sich zu langweilen. Denn im Grunde ändert sich nicht viel. Es sei denn, ein Ritter reitet auf einem Blechpferd durch die Massen oder es wird ein Scheiterhaufen angezündet. Da es keinen Anstieg, keinen Höhepunkt und kein krachendes Ende gibt und sich die Bewegungssprache gleich bleibt, langweilt man sich, allerdings auf höchstem Niveau.
Den Beifall haben sich die Tänzer und Tänzerinnen wahrhaftig verdient, denn diese Choreografie muss man erst einmal körperlich leisten und druchstehen können!







