Margret Greiner, Auf Freiheit zugeschnitten. Theater Nestroyhof. Hamakom
- Silvia Matras
- 12. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Nov. 2025
Für die Bühne adaptiert von Sarantos H. Zervoulakos und Miriam U. Lesch und Ensemble

Margret Greiner erzählt in ihrem Buch "Auf Freiheit zugeschnitten" das Leben von Emilie Flöge, der Lebensgefährtin von Gustav Klimt. Lange stand sie nicht auf der Liste der "interessanten Frauen um Klimt", bis Margret Greiner ihre für den Künstler so wichtige Rolle aufdeckte und über sie schrieb

Emilie Flöge sah sich nicht nur als Muse Klimts, sondern hatte sich sehr früh eine eigene Existenz aufgebaut: Im "Salon der Schwestern Flöge" in der Mariahilferstraße, ganz im Stil der Wiener Werkstätten eingerichtet, trafen sich modemutige Damen der betuchten Gesellschaft, um sich von Emilie Flöge einkleiden zu lassen.
Dieses akribisch recherchierte, sehr atmosphärisch geschriebene Buch diente dem Regisseur Zervoulakos als Ideen- und Textgrundlage. Er konnte fast dreiviertel des Textes eins zu eins übernehmen. Fehlte nur noch die zündende Idee, um aus dem großartigen Buch einen ebenso großartigen Theaterabend zu gestalten. Fast wäre ihm das gelungen:
Auf der leeren Bühne sitzen an alten Singernähmschinen neun Personen und rattern Nähte um Nähte herunter. Mann und Frau nähen, nähen, und erzählen in auktorialer Erzählhaltung den Hergang, unterbrochen von einzelnen Akteuren, die in direkter Rede gleichsam aus der Ezrählerrolle heraustreten und sich direkt an das Publikum wenden oder im Dialog mit anderen treten. Interessant und durchaus amüsant ist der Rollentausch: Mal stellt eine der Frauen - nicht immer diesselbe - Emilie Flöge dar, dann auch wiederum ein Mann. Das hat durchaus humorvolle Effekte. Humorvoll ist auch die Choreographie, wenn alle plötzlich in diesen "Fledermauskleidern" aufspringen und die Arme wie Flügel ausbreiten. Oder wenn das Korsett akustisch durch den Klang reißender Seide zu Grabe getragen wird. Das läuft mit Witz ab und auch mit gebotener Satire auf die Gesellschaft um 1900 und auf das sexorientierte männliche Rollenbild. Deutlich hebt sich die selbstbetimmte Figur der Emilie Flöge ab. Sie ist eine erbarmungslose Unternehmerin, weiß sich in der Öffentlichkeit als "die Frau an der Seite des großen Künstlers" selbstbewusst zu präsentieren. Ja, das alles ist griffiges, gut inszeniertes Theater. Und dennoch steckt in dieser Form des "Erzähltheaters" die Gefahr der Unschärfe: Manches wird nur skizziert, angedeutet. Wer das Buch nicht gelesen hat, wird so manche Anspielung nicht deuten können.
Ein Regierätsel bleibt auf jeden Fall der Anfang, wenn sich alle Darsteller als griechische Musen vorstellen. Mitten im Spiel tanzt eine stumme Muse duch die Reihen der Näher und Näherinnen. Soll das eine Referenz an die griechische Herkunft des Regisseurs sein und wenn ja, welche Rolle spielt Emilie Flöge in diesem griechischen Katalog? Dann wäre da noch ein Sänger, der Näherinnen und Publikum mit Opernarien unterhält. Das sind unnötige Regiemanierismen, die dieses an sich gut gemachte Theaterstück nicht nötig hat.


