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Mark St. Germain: Die Tanzstunde. Kammerspiele der Josefstadt

  • Silvia Matras
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

© Moritz Schell
© Moritz Schell

Deutsch von John Birke. Regie Folke Braband. Bühnenbild und Kostüme: Stephan von Wedel. Choreografie: Daniela Mühlbauer


Senga Qinn, Tänzerin: Katharina Klar

Ever Montgomery: André Pohl


Ever Montgomry ist Professorfür Geowissenschaften an einem New Yorker Institut. Für sene wissenschaftlichen Leistungen soll er einen Preis bekommen. Nach feierlichen Verleihung wird er einen Ehrentanz absolvieren müssen. Kein Problem! - Doch, denn er ist Autist und meidet jegliche Berührung. Tanzen ist für ihn Tortur und daher unmöglich. So kommt er auf die Idee, bei der bekannten Tänzerin Senga Qinn Tanzunterricht zu nehmen. Doch Senga hat ein schwer verletztes Bein und wird vielleicht niemehr tanzen können - ein für sie unvorstellbarer Gedanke, der sie in eine tiefe Depression treibt.


Die Begegnung zweier Menschen, die sich als Außenseiter der Gesellschaft fühlen, ist zunächst eine Katastrophe: Sie kann ihm den Unterricht nicht geben, will auch nicht, will sich vor der Welt verkriechen. Er ist ebenfalls ein Menschenflüchter - geprägt durch den Autismus. Für ihn ist jede Berührung unvorstellbar. Das ist die Ausgangslage - eigentlich eine ziemlich ernste. Doch Autor und Regisseur geben den beiden eine Chance: Die verletzte Tänzerin und der scheue Professor nähern sich gerade in ihrer Verletzlichkeit langsam aneinander an, üben Berührung, öffnen sich, erzählen von ihren Ängsten, jeder verändert sich Schritt für Schritt, bis aus Abwehr Freundschaft entsteht. Ein ausgemachter Tragödenstoff wird zur klugen Komödie, man darf über die misslungenen Versuche lachen, freut sich über deren Fortschritt.

Sandra Klar gibt die verletzte und verletzliche Tänzerin ein tiefes Profil mit mit nachvollziehbaren Veränderungen: Von aggressiver Abweisung über langsamer Toleranz und sich Öffnen dem anderern gegenüber bis hin zu Verständnis und Freundschaft.

André Pohl spielt den schüchternen, klugen und weltfremden Professor mit der ganzen Tragik eines Außenseiters. Am Ende tanzen se gemeinsam einen Tanz der Freude, des Sieges - allerdings - nicht bei der Verleihung, sondern im Freiraum der Phantsie.

Ein großartige Komödie mit Tiefgang dank einer klugen Regie und einem Schauspielerpaar, das mit feiner Nuancierung Komik und Tragik gekonnt miteinander verknüpft.

Wie sehr das Publikum dieses Theaters mit seinen Schauspielern vertraut ist. merkt man an diesem Abend besonders: Alle ahnen oder wissen, dass man Katharina Klar und Andrè Pohl wahrscheinlich in der kommenden Saison nicht mehr auf der Bühne wird erleben können. Daher fiel der Applaus besonder intensiv und lang aus . Mit Wehmut dankten Klar und Pohl.


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