Oper Graz: Richard Strauss, Der Rosenkavalier. Vorstellung am 13. Juni 2026
- Silvia Matras
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Inszenierung: Philipp Krenn
Bühne: Momme Hinrichs
Kostüme: Eva Maria Dessecker
Wie so oft, ist gut gemeint nicht immer wirklich gut. Philipp Kren überbordet, übertreibt, stopft die Massenszenen übervoll - wo ist wer?, wer singt gerade?. Die Bühne dreht sich, zeigt einen Raum, pardon Salon, nach dem anderen, bis hin zum Dienstbotenzimmer und wieder retour in das Schlafzimmer der Marschallin - eigentlich ohne szenischen Sinn.
Im Schlafzimmer beginnts - die Feldmarschallin, kurz die Fürstin genannt (Polina Pastirchak) , tobt und schmust ganz unfürstlich mit ihrem jungen Liebhaber Oktavian (Sofia Vinnik) . Beide spielerisch und stimmlich gut in die Rollen passend. Die Fürstin verliebt, aber schon mit einem Hauch von Mütterlichkeit. Stimmlich perfekt für diese Rolle und für die Gedankenarie über die Zeit. Sofia Vinnik bezaubert in der Bubenrolle. Sie hüpft ausgelassen über das Bett,küsst und gurrt, wie ein Täuberich. Das Publikum darf schmunzelnd genießen. Doch dann poltert der Oberprolet Ochs von Lerchenau (Wilfried Zelinka) herein, macht sich an das vermeintliche Mariandel heran - schon lassen Epstein grüßen, und die bekannte, allzu oft bemühte Empörung über diese Herren schwappt hinein ins Geschehen. Alles um einen Tick zu gewöhnlich - eh klar, denn Epstein und Co waren sicher nicht zimperlich. Aber es ist doch zu viel des Argen. Es wird noch ärger, wenn der Regisseur die Massenaudienz inszeniert - lästige Journalisten, Bittsteller - alles gut und richtig, aber overcrowded - man verliert den Überblick. Dazu dreht sich die Bühne im Volleinsatz von einem Zimmer zum anderen, mancher Einfall geht unter. Man wartet auf die Übergabe der Rosenszene - doch sie bleibt steif und ohne Zauber. Sophie (Tetiana Miyus) ist eine verschreckte, aber nicht verliebte Sophie. Ihr Sopran ist stellenweise hart und schrill. Das Komplott zur Überführung des Ochs von Lerchenau wäre ein Spaß, der aber leider verpufft.
Passend zur etwas polternd-derben Inszenierung dirigiert Markus Burkert -oft zu laut und nicht immer sängerfreundlich.
In Erinnerung bleibt die Schlussszene mit Sophie, Oktavian und der Fürstin. Zunächst stehen sie in Distanz und gegenseitigem Misstrauen zueinander. Bis die Fürstin ihren Segen den beiden gibt und sie sich mit dem alten Feldmarschall-Gemahl begnügen muss. Ein heiter-bitteres Ende, das so manch leichtfertig verspielte Momente wieder gut macht.

