Schubertiade Schwarzenberg: Liederabend - Franz Schubert. Andrè Schuen - Tenor, Daniel Heide Klavier. 24.Juni 2026
- Silvia Matras
- vor 2 Stunden
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Die Überraschung ist voll gelungen: Mitten in den Schubertliedern schummelten Schuen und Heide den Liederzyklus "Unerzählt" von Thomas Larcher hinein. Und der Mann ist wahrlich kein Zeitgenosse Schuberts, sondern ein ganz Moderner, geboren 1963 - bei Männern darf man ja das Geburtsdatum verraten.
Aber vom Anfang an:
Mit vollem Tempo ziehen Schuen und Heide mit dem "Schwager Kronos" ins pralle Leben, dann übernimmt Helios die Führung in "Freiwilliges Versinken". Die Lebensreise endet im Tartarus, wo Schmerz und Ewigkeit in Qualen drohen. Schuen dramatisiert mit gekonntem Stimmlagewechsel von Bariton zum bombastischen Bass. Dann die Überraschung:

Thomas Larcher - "Unerzählt", Liederzyklus nach Gedichten von W.G. Sebald (1944-2001)
Doch dann ist Schluss mit der Götterei! Der Sprung in die Gegenwart entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Was sollen all die Götter - die Texte von W. G. Sebald rechnen mit der Klassik ab: "Plinius sagt/Der Elefant sei/klug &gerecht, verehre die Gestirne/&bete die Sonne an/ & den Mond". Was das staunende Publikum in der Folge zu hören bekam, amüsierte den einen Teil der Zuhörer und schockierte vielleicht den anderen Teil. Schuen und Heide zupfen, ziehen an den Klaviersaiten, schlagen auf das Holz, Schuen verlangt seiner Stimme alles ab: von den höchsten Tönen rasselt er hinunter bis in den Bass. Und beide -Pianist und Sänger - haben sichtlich Spaß an den Texten, die ein wenig an den hochartifieziellen Unsinn eines Ernst Jandl erinnern. Es ist lautmalende Kunstmusik - Klavier übernimmt sogar zeitweise die Führung. Am Ende werden Text und Musik völlig abstrakt, Schuen singt mit extrem hoher Stimmlage "..weiß wie der Schnee in den Alpen". Kurze Stille, dann bricht begeisterter Applaus aus. Das Experiment scheint gelungen zu sein - das Publikum ließ sich voll auf die Provokation ein.
Nach der Pause gibt wieder der Liedregent Franz Schubert den Ton an. Schuen "erzählt" die Schillerballade "Die Bürgschaft" - manchmal fast mit Sprechstimme, dann dreht er an den Höhepunkten auf "volle Oper" - spannend!. Aktuell und sehr wahr und warnend: "Die Götter Griechenlands" (Friedrich Schiller) - beginnt mit einer Klage,die wir Heutigen mit demselben Schmerz wie damals vorbringen: "Schöne Welt. wo bist du?" Denn durch die Hybris eines "Prometheus" (Goethe), der voller Stolz gegen die Götter rebelliert und sich auf seine Macht beruft ("Forme Menschen nach meinem Bilde") haben wir die "schöne Welt" an den Rand des Unterganges gebracht. Schuen und Heide schaffen ein ambivalentes Bild des rebellierenden, selbstverliebten Menschen. Da hört man nicht nur den Rebell, sondern unterschwellig loten die beiden Musiker die Grenzen des Menschen aus.
Das klug zusammengestellte Programm lässt für die Zukunft der Schubertiade Gutes hoffen. Denn die Öffnung in die Gegenwart hinein lockt vielleicht auch junge Zuhörer in der Zukunft nach Schwarzenberg. Nach 50 Jahren "Schubertiade Schwarzenberg" darf Neues, Ungewohntes sein. So wie es dieser Abend gezeigt hat. Denn die Raktion des Publikums war durchaus positiv !
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