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Porträt einer Vielseitigen

  • Silvia Matras
  • 7. März 2019
  • 4 Min. Lesezeit

ELISABETH-JOE HARRIET

Einmal Zita,einmal Olga Schnitzler, einmal Sisi, einmal literarische Reisebegleiterin durchVenedig oder durch Bosnien-Herzegowina, einmal Spurensucherin in Reichenau undUmgebung. Die Liste ließe sich fortsetzen, aber Interessierte schauen besser indie Homepage, da erfahren sie alles genau.

Wer istdiese vielseitige Frau, fragten mich einige Leserinnen meines Blogs. Ein guterAnlass, sie um ein Interview zu bitten, dachte ich. Die Einladung in ihreWohnung im 6. Stock eines Hochhauses im Zentrum Wiens kam ohne Zögern.

Der Blickschweift über die Dachlandschaft des Ersten Bezirkes, aus der einigeKirchturmspitzen herausragen. Ein stiller Ort in luftiger Höhe, trotzdem in derMitte des kulturellen Geschehens, an dem Elisabeth-Joe Harriet nicht ganzunbeteiligt ist.

Im Laufe desGespräches fallen Formulierungen wie „glücklich geschieden“, „harte Zeiten,wenig Geld“, „Lebensmotto: You wanna do it? – Do it!“ – Sätze, die mir von somanch anderen Interviewpartnern als fertige Stehsätze serviert wurden, um ein vorgeformtesBild abzuliefern – für Elisabeth-Joe Harriet markieren sie durchlebte unddurchlittene Lebensstationen, die sie prägten.

Harte Zeiten

Harte Zeiten waren nicht immer. In der Kindheit durfte sie vor der versammelten Sonntagsgesellschaft schon als kleines Mädchen tanzen, singen und Gedichte aufsagen. Das klinge ein wenig nach Dressur, ob das alle so wollten und goutierten, frage ich skeptisch. Ganz sicher nicht, denn sie wäre laut Aussage der Gäste wirklich gut gewesen, versichert sie glaubhaft. Und vor allem sei sie absolut nicht dressurfähig, sie habe schon damals nur getan, was ihr und anderen Freude macht. Diese Frau hat offensichtlich schon als Kind die richtige Portion Selbstbewusstsein entwickelt, stelle ich fest. Den ersten nichtverwandtschaftlichen Beifall erhält Elisabeth – Joe Harriet auf dem Schultheater. Nach der Matura nimmt sie Unterricht in der Schauspielschule Krauss und bei Oskar Willner. Und bekommt ein Engagement am Volkstheater. Da nimmt das Glück seinen unglücklichen Verlauf: Dort verliebt sie sich in einen Schauspielerkollegen, der ihr zwei Monate nach Beginn dieses ersten Engagements 1973 auf der Bühne einen Heiratsantrag macht. Sie ist erst 19 Jahr jung und nimmt ihn an, obwohl die Bedingung lautete, dass sie nicht mehr weiter auf der Bühne stehen dürfe. Und so machte  sie während der Ehe ihre Ausbildung zur Volks-, Hauptschul- und a.o. Religionslehrerin. „Auch das ist eine Form von Bühne, mit einem kritischen jungen Publikum, das begeistert und geführt werden will. Das Unterrichten war eine wunderbare und lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte“, merkt sie an. 1985 wird sie von ihrem, wie sie selbst sagt, recht anstrengenden Mann glücklich geschieden und begann neben dem Unterrichten mit ersten Soloprogrammen sofort wieder Bühnenluft zu schnuppern. Die Entscheidung den Lehrberuf nach neun Jahren an der Hauptschule in Klosterneuburg endgültig an den Nagel zu hängen und sich ganz der Schauspielerei hinzugeben, wurde durch den Schulinspektor ausgelöst, der ihre Bühnenauftritte nicht mit dem schulischen Ethos für vereinbar hielt. So kündigte sie als geschiedene Mutter mit zwei Kindern ihre pragmatisierte Stellung und es begannen harte Zeiten, in denen sie oft nicht wusste, wie sie ihre Kinder und sich durchbringen sollte.

You want to do it? – Do it!

So lautetdas Lebensmotto von Elisabeth-Joe Harriet, das viel Mut und Risikobereitschafterfordert: „Mehr als schief gehen kann es doch nicht, und nur aus Fehlern undRückschlägen kann ich etwas dazulernen und mich verbessern.“

Ihrem vielfältigen Talent und ihrer Lernbegierigkeit verdankt Elisabeth-Joe Harriet zwei weitere Karrieren, die ihr die Möglichkeit geben, finanziell endlich abgesichert zu sein, nicht jedes Engagement als Schauspielerin annehmen zu müssen und in Folge ihre eigenen Ideen entwickeln zu können. Ab 1988 arbeitet sie nebenbei als Trainerin und Coach und ab 1990 als gefragte Eventkreateurin in der Wirtschaft. In dieser Zeit startete auch ihre Fernsehkarriere als Moderatorin beim deutschen Sender VOX.

1998 lernte sie dann Friedhelm Boschert kennen, damals Banker, heute vermittelt er den ehemaligen Berufskollegen „mindful finance and solutions“ in seinem  gleichnamigen Unternehmen.  Seit 2006 sind die beiden verheiratet. „Mein Herz und meine Seele haben bei ihm ihre Heimat und sicheren Hafenplatz gefunden“, sagt Elisabeth-Joe Harriet. Aus Glück schöpft man immer noch mehr Kraft und so setzte sie 2003 ihre Idee von literarisch-musikalischen Pfaden mit „Literatur-on-Tour“ um. Sie stellt Kultur vom Kopf auf die Füße und macht die reiche österreichische Literatur und die damit verbundene Musik und Kunst an Originalschauplätzen erlebbar. Sie rezitiert und singt auf der Straße, in Innenhöfen und Museen.  Mittlerweile nicht nur in Wien, sondern auch bei Erlebnisreisen in den ehemaligen Kronländern

„Dabei istes mir ein großes Anliegen, einen direkten Kontakt zwischen der Bevölkerung undden Gästen herzustellen. Nicht die Sehenswürdigkeiten allein sind es, sonderndie Menschen vor Ort, die ein Land oder Region ausmachen.“ Inzwischen sind ihreReisen so erfolgreich, dass sie in Windeseile ausgebucht sind.

2012 betratElisabeth-Joe Harriet mit ihrem „Historientheater“ nochmals neue Wege. Seitdamals schlüpft sie in historische Persönlichkeiten und erzählt als solche ausderen Leben und Zeit. Um authentisch zu wirken, schreibt sie sich dafür keinManuskript, sondern arbeitet sich lesend in die Lebensgeschichten ein, wird zudieser Person und kann als solche dem Publikum auch direkt Fragen beantworten.Bisher spielte sie  Constanze Mozart,Olga Waissnix, Kronprinz Rudolfs Tochter Elisabeth („Die Rote Erzherzogin“),eine Tochter von Maria Theresia („Die kropferte Liesl“), Lina Loos oder OlgaSchnitzler. Als Kaiserin Zita begleitet sie die Besuchern noch bis Ende Juni2019 durch die Sonderausstellung des Hofmobiliendepots.

Spielen,intensive Recherchen für ihr Historientheater, Vorbereitungen der Reisen,Tagesfahrten und Pfade – wie kann das ein einzelnes menschliches Gehirnerarbeiten und behalten? Elisabeth-Joe Harriet verrät mir ihr Geheimnis: „Ichhabe ein fotografisches Gedächtnis und verbinde Situationen und Gefühle mitBildern, die ich jederzeit abrufen kann.“ Ja, wenn das so ist, dann ist es einLeichtes zu sagen: „I want to do it – I do it!“

Dasvollständige Programm unter: www.elisabeth-joe-harriet.com

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