Rebekka Eder, Der geheime Apfelgarten. Rowohlt Taschenbuch Verlag
- Silvia Matras
- vor 11 Minuten
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Untertitel: Getrennte Welten

Die Elbinsel Finkenwerder war bis 1937 geteilt: Der Norden gehörte zu Hamburg, der Süden zu Preußen.
Rebekka Eders Roman beginnt in Finkenwerder im Jahre 1892.
Der Apfelgarten, den einst die früh verstorbene Mutter der jungen Ken Loop mit viel Liebe angelegt hatte, ist seit ihrem Tod verwildert. Für die Tochter ist er der Geheimplatz ihrer Erinnerungen an die geliebte Mutter. Deshalb beschließt sie, ihn mit ihrer ganzen Erfahrung und Kraft wieder zum Blühen zu bringen.
Leider geht am Rande des Gartens die Grenze zwischen Hamburg und Preußen durch. Es ist nicht nur eine lokale, sondern auch eine gesellschaftliche Grenze. Jenseits des Zaunes gehört der Grund der Familie Rentfeld. Beide Familien gehören zur reichen Oberschicht der Insel, haben aber jeden Kontakt zueinander abgebrochen.
Doch die junge Ken schert sich wenig um gesellschaftliche und politische Grenzen. Sie steigt über den Zaun, um von dem Ast, der von ihrem Garten hinüberragt, den einzigen noch überlebenden Apfel zu pflücken. Dabei wird sie von Kristen, dem junge Knecht der Familie Rentfeld, beobachtet. Er bietet ihr seine Hilfe bei der Gartenarbeit an, obwohl er damit seine Anstellung riskiert. Es kommt, wie erahnbar: Die beiden verlieben sich. Doch ein Happyend wäre zu einfach und reizlos. Da kommt noch viel dazwischen, wie eine fünf Jahre lange Trennung, die Cholera und letztendlich der Hass zwischen den beiden Familien.
Rebekka Eder gelingt in diesem Roman ein Gesellschaftsporträt der Hamburger und der Inselbewohner gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie schildert die ärmlichen Verhältnisse der Knechte und Mägde, die Unzulänglichkeit der Behörden während der Cholera und die Versnobtheit der Reichen. Eingeflochten ist das Schicksal einer jungen Verwandten, die nach einer Vergewaltigung schwanger wird. Damit niemand davon erfährt, soll sie das Kind auf der Insel bei der Familie Loop zu Welt bringen. Die Welt der Frauen war damals vom Patriarchat geprägt. Moralische Verknöcherung und Heuchelei prägten das "Sittenbild", wogegen sich die junge Ken Loop mit aller Kraft stemmte.
Der Roman ist eine angenehme Sommerlektüre, flott geschrieben und doch mit Tiefgang. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein.


