Reinhold Bilgeri, Das Gewissen der Tauben. Amalthea Verlag
- Silvia Matras
- vor 13 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Ein Roman über die 50er Jahre in Österreich. Aufbruch war angesagt, die Vergangenheit endlich ruhen lassen, so die allgemeine Stimmung. In diese von Verdrängung dampfende Mischung sticht Bilgeri mit diesem Roman mitten in die Probleme.
Gerda ist jung, neugierig. Ein fast täglicher Schlagabtausch mit ihrer frommen, bigotten Mutter nervt sie (und die Leser). Noch dazu hat sie sich gerade in einen windigen Hallodri verliebt, den Schweizer Piero Burkhardt. Dass ihr Vater "im Krieg geblieben ist", wie das allgemein so hieß, und die Mutter sein Tagebuch als Geheimnis hütet, ist für die aufmüpfige Gerda ein weiteres Problem. Weil das noch nicht an Problemen reicht, wird sie von diesem Piero schwanger - zum Entsetzen der Mutter: Welche Schande, was werden da die Leut`sagen...Also rasch die Hochzeit vorbereiten. Große Einladung, großes Fest, eine hübsche Braut - alles da, nur kein Bräutigam.
Was die Familie nur peripher erschüttert. Mutter samt Gerda, der Schwester und zwei Brüdern beschließen, dem Gerede der Leute (und Kirche) nach Hohenems in Vorarlberg auszuweichen. Und Gerda beschließt, sich auf die Suche nach ihrem Bräutigam zu machen. Sie muss entdecken, dass er in geheimer Mission für die Schiene Vatikan und Naziverschickung nach Südamerika arbeitet. Diese Entdeckung lässt Gerda nicht unberührt. Sie forscht, erfährt, wie viele Nazibonzen sich auf diese Weise vor einem Gerichtsverfahren gerettet haben. Und sie entdeckt, wie sehr schon wieder Altnazis in Österreich Spitzenpositionen einnehmen. Dazu erfährt sie noch Näheres über den Tod ihres Vaters: Der wurde in der Wüste Ägyptens gefangen gehalten und durch eine Handgranate ausgerechnet von der Truppe, in der Piero beteiligt war,getötet.
Das sind brisante Themen, die Bilgeri aufgreift. Leider verzettelt er sich im Laufe des Romans in einen billigen Spionagethriller. Schade!


