Salzburger Festspiele: Olivier Messiaen, Saint Francois D`Assise
- Silvia Matras
- vor 12 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Libretto: Olivier Messiaen
Maxime Pascal dirigiert die Wiener Philharmoniker
Regie, Bühne, Kostüm und Licht: Romeo Castellucci
L`Ange: Lauranne Oliva
Saint Francois: Gesangspartie und Spiel Philippe Sly im 1. Akt, Antoin Herrera-Lopez Kessel - Gesang im 2. und 3. Akt
Le Lepreux: Sean Panikkar und Georg Schwamberger
Frère Léon: Russell Braun
Ein Monumentalwerk, das vom Orchester, Dirigenten, Sängern und auch vom Publikum einiges abverlangte. Sechs Stunden mit 2 Pausen zu je einer Stunde - da hatte nicht nur der Sänger des Franz von Assisi Philippe Sly Schwierigkeiten. Er musste nach dem 1. Akt stimmlich von Antoin Herrera-Lopez Kessel ersetzt werden. Der kubanische Bassbariton machte jedenfalls seine Sache ausgezeichnet. Philippe Sly spielte stumm im 2. und 3. Akt weiter.
Olivier Messiaens Werk ist sein Glaubensbekenntnis. Die Musik lastet schwer auf Sängern und Publikum. Man muss sich einlassen, was besonders schwer fällt, wenn man mit Wunderglauben und christlicher Mystik nichts verbindet. Castelluccis Regie ist noch ein Schwergewicht mehr, das den Sängern einiges abverlangt,
Es beginnt in totaler Stille und Düsternis. Franziskus, Sohn einer reichen Familie, legt vor den Augen seiner Eltern und anwesender Bürger seine Kleider ab und bedeckt sich mit einem lendenartigen Schurz. Dann beginnt die Musik Schon die erste Szene zeigt, wohin die Reise geht: Franziskus verlangt von sich nichts Geringeres als Überwindung jeglichen Ekels und Akzeptanz des totalen Leidens. So säubert er, seine Angst und Ekel vor dem Aussätzigen überwindend, mit äußerster Sorgfalt dessen nackten, leprösen Körper. (Eine ebenso große Herausforderung für den nackten Darsteller Georg Schwamberger und das Publikum!)
Damit ist der Weg dieser Oper gekennzeichnet: Er führt in das Innere des Franziskus, in seine Leidensvisionen, den Wunsch, Christus im Leid näher zu kommen. Aus dem berühmten Sonnengesang und dem Lob der Natur gestaltet Castellucci ein Weltuntergangsszenario: Vom Himmel fallen tote Vögel, über bleibt eine einsam über die Bühne watschelnde Ente und ganz am Schluss einige (lebende) Schafe, die vergeblich nach Gras suchen.
Ergreifend wird die Musik, wenn die wunderbare Sopranstimme von Lauranne Oliva als Engel in den Raum schwebt. Da bekommt man (als Atheistin) ein wenig Ahnung von christlicher Mystik.
Für Realität und manchmal auch Humor sorgen die Fratres. Sie backen Brot in zwei elektrischen Öfen, formen Krüge auf der Tonscheibe.
Der Tod nähert sich Frnziskus, machtvoller Chor verkündet ihn.
Das Publikum spendet freudig (weil es zu ende ist?) Applaus. Zuvor wurde in den beiden Pausen heftig diskutiert. Grundstimmung: Ratlosigkeit, Langeweile. Denn bei allem Respekt vor der großartigen Musik Messiaens und der Leistung der Künstler, blieben viele Fragen ungeklärt. Fragen, die Castellucci aufgeworfen hat, aber in der überintellektualisierten Inszenieruung nicht klar beantwortet.


