Wiener Staatsballett: "Living Legacies" (Lebendiges Erbe)
Orchester der Wiener Staatsoper. Musikalische Leitung: David Coleman. Drei zukunftsprägende Choreografien
divertimento nr.15
Choreografie George Balanchine © The George Balanchine Trust

Musik: Mozart: Divertimento Nr. 15 B -Dur KV 287
Kostüme: Karinska
Lichteinstudierung: Robert Eisenstein
Einstudierung: Sandra Jennings
In weiß-blauen Tutus schwebt in geregelter Formation zum heiteren Divertimento Mozarts das Corps de Ballet über die frühlingshaft ausgeleuchtete Bühne . Als Auftakt des Abends präsentiert sich das Ballett von der ganz klassischen Steite: Sprünge, Pirouetten, kaum Neues. Balanchine erweist der Klassik die Referenz. Es dürfen Massayu Kimoto und Thema Benjamin Alexander glänzen, Olga Esina ist zart und elegant, Davide Dato beeindruckt durch seine Sprungkraft. Balanchine wie immer.
within the golden hour
Choreografie Christopher Wheeldon

Musik: Ezio Bosso
Kostüme: Jasper Conrad
Licht: Peter Mumford
Einstudierung: Jason Fowler
Der Bühnenhintergrund changiert von Dunkelblau zu Rot. Die Musik von Ezio Bosso ist aufregend minimalistisch mit Geigensoli (Rainer Honeck) und die Choreografie faszinierend. Wenn die Figuren in zarten goldbehauchten Kostümen aus dem Dunkel in den Bühnenvordergrund schweben, dann meint man, sie seien einem der Bilder Gustav Klimts aus der "Goldenen Periode" entsprungen. Tatsächlich hat sich Wheeldon bei der Arbeit an dieser Choreografie von diesen Bildern beeinflussen lassen. Auch die Bewegungstruktur gleicht dem schwebenden . sinnlichen Charakter mancher Klimtfiguren. Spannung baut sich auf, wenn die Tänzer und Tänzerinnen in Gruppen zusammenfließen und je nach Musik auseinandertriften. Die dafür nötige Präzision gepaart mit emotionaler Leichtigkeit ist beeindruckend!
Die Pas de deux wirken wie aus einer anderen Welt - manchmal humorvoll und voller Witz, dann wieder hoch artifiziell, fast wie aus einem japanischen Tanzstück entnommen.
Man ist gefesselt von der Musik, den Tänzern, der zauberischen Lichtführung.
rhapsody
Choreografie: Frederick Ashton

Musik: Rhapsodie über ein Thema von Paganini und Sergei Rachmaninow
Kostüme rekonstruiert von Natalia Stewart
Licht: Peter Teigen
Einstudierung Helen Crowford. Amanda Eyles
Ist eine Steigerung noch möglich? Schon, denn dieses abstrakte Ballett erzählt ein Märchen. Das Märchen eines Tanz-Prinzen, der seine Tanz-Prinzessin sucht und findet.
Spannung baut sich schon von Beginn an auf. In einem "Palastgarten" tanzen schöne junge Menschen. Sie scheinen auf jemand zu warten. Ein strahlender Jüngling erscheint im Bühnenhintergrund, geht langsam an die Rampe und tanzt seine "Vistienkarte": ein Solo an Sprüngen und Drehungen, dass dem Zuseher der Atem wegbleibt. Es ist Antonio Casalinho in der Rolle, die einst Michael Barischnikow berühmt machte. Ballettfans kennen Casalinho als Herzog Albrecht in "Giselle".Und wenn Casalinho nicht ohnehin schon ein Star am (Wiener) Balletthimmel ist, dann wird er es in dieser Rolle! Das Märchen erzählt sich weiter: SIE (Cassandra Trenary) ist seine ebenbürtige Partnerin. Unter dem tobenden Kläng en des Klaviers (Yoko Kikuchi) entfalten die beiden ein Feuerwerk an Tanzkunst.
Das Publikum tobte am Ende, wie selten nach einem Ballett. Der Beifall gilt dem ganzen Corps, dem Dirigenten, der mit Feingefühl das Orchester und die Tänzer und Tänzerinnen durch diesen wunderbaren Abend führte, der Pianistin Yoko Kikuchi und vor allem dem strahlenden jungen Paar Cassandra Trenary und Antonio Casalinho.


