Ödipus Tyrann nach Sophokles, bearbeitet und neu aufbereitet von Nicolas Stemann
- Silvia Matras
- 30. Nov. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Übernahme vom Schauspielhaus Zürich
Inszenierung, Musik: Nicolas Stemann

Medial wurde im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt, Superlob für Inszenierung und Schauspielerinnen las und hörte man allseits,
Dann die Aufführung: Sophokles auf Popmanier. An der Rampe sprechen Alicia Aumüller und Patrycia Ziolkowska alle Personen, die da sind: Ödipus, Kreon, Iokaste, Tiresias, Bote, Diener, Priester und Chor.
Das kann manchmal gelingen - etwa so in Nils Strunks Bearbeitung der Schachnovelle. Doch die Bearbeitung Stemanns gleitet in Unterhhaltung ab. Die Dichte, Wucht der Tragödie, wie Sophokles sie schrieb, bleibt aus. Da wird gewitzelt: Schönen Tag noch, tschüss, dem Seher wird Uzo eingeflößt und am Ende, als sich Ödipus selbst die Augen ausgestochen hat, wird auch das Publikum von LED-Scheinwerfern minutenlang geblendet, Als Draufgabe gibts noch einen Popsong, damit ja alle heimgehen und sagen: Klasse, crass... was halt sonst so an begeisterten Kommentaren üblich ist.
Eines muss man den beiden Schauspielerinnen lassen: Sie legen sich ordentlich ins Zeug, aber sie überzeugen nicht. Sie springen von der Bühnenrampe ins Publikum, bohren die Zeigefinger den Zuschauern in der ersten Reihe fast in die Augen und schreien ihnen die Schuld ins Gesicht.
Aber wo bleibt Sophokles? Einen Hauch von Tragödie weht erst durch den Raum, als Patrycia Ziolkowska sich in die Rolle des Ödipus hineinspielt.
Den begeisterten Applaus haben sich die beiden Schauspielerinnen für ihren Totaleinsatz dennoch redlich verdient!


